Entschädigung nach Kreuzbandruptur durch private Unfallversicherung

  • Hallo


    Ich habe im Oktober 2013 bei einem Sportunfall eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes erlitten.


    Diagnose:

    • Totalruptur des vorderen Kreuzbandes mit Auflagerung auf das hintere Kreuzband
    • AM Komplexschaden
    • IM Schaden
    • Diffuse Synovialitis
    • Hoffahypertrohie


    Im Januar 2014 wurde dann operativ behandelt.

    • Partielle Synovektomie
    • Partielle Hoffaresektion
    • IM Teilresektion
    • AM Teilresektion
    • Ersatz des vorderen Kreuzbandes mit frei transplantierter Semitendisonus/Gracilis Sehne und Fixation mit resorbierbarem Pin „Transfix“ und resorbierbarer Schraube „Delta screw“)


    , im Anschluss mit Krankengymnastik und dem gewohnten Procedere!


    Meine Unfallversicherung hat mir nach Meldung des Unfallvorgangs bei einem Gliedertaxwert 70% und Beeinträchtigung von 1/10 = 7% Invaliditätsgrad, eine entsprechende Summe ohne Gutachten angeboten wenn ich dementsprechend auf weitere eventuelle zukünftige Ansprüche verzichte. Bei dem Angebot würde es sich um die aktuelle medizinische Einschätzungsempfehlung privater Unfallversicherungen handeln.


    Dieses habe ich nach einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt abgelehnt, da auch nach der OP leider einige erhebliche Einschränkungen verblieben sind und er gemeint hat das die Versicherung hier nach der Nepper-Schlepper-Bauernfänger vorgeht.


    Seiner Meinung nach sind bei den Dauerfolgen bereits jetzt klar 1/5 Beeinträchtigung entsprechend 14% Invaliditätsgrad gegeben, welches mir auch ein weiterer Arzt mittlerweile unabhängig voneinander ebenfalls bestätigt hat.


    Folgende Dauerfolgen wurden durch den behandelnden Arzt attestiert:

    • Instabilität
    • Frühzeitige Gonarthrose im betroffenen Knie
    • Beugedefizit
    • Bewegungseinschränkung


    Zudem habe ich selber bis heute folgende Probleme festgestellt, welche ich ebenfalls schriftlich festgehalten habe:

    • Taubheitsgefühl auf dem Schienbein (Entnahmestelle der Semitendisonus/Gracilis Sehne
    • Beugedefizit / Bewegungseinschränkung / Beweglichkeitseinschränkung
    • Instabilität
    • Gangunsicherheit auf unebenem Boden
    • Schmerzen im Kniegelenk, besonders morgens nach dem Aufstehen (Anlaufschmerz)
    • Schwellungen des Kniegelenks, besonders nach Belastungen (auch Schubweise)
    • Zunehmende Schmerzen bei Belastung wie Treppensteigen, besonders treppab
    • Zunehmende Schmerzen bei Belastung bei Spaziergängen länger als ein Kilometer
    • Schmerzen bei genereller Belastung
    • Hüftschmerzen


    Darauf hin erfolgte jetzt im Monat Oktober 2014 (ein Jahr nach dem Unfall) die Vorstellung beim Gutachter.



    Nach einem Vorgespräch bei dem ich dem Gutachter auch alle von mir selbst festgestellten Einschränkungen mitgeteilt und schriftlich überreicht habe, hat er im Anschluss daran Umfangsmessungen an meinen Beinen vorgenommen und festgestellt das scheinbar immer noch ein Erguss im betreffenden Knie vorhanden ist, da dieses wesentlich dicker ist als das gesunde Knie. Kann man aber auch mit bloßem Auge erkennen! Weiterhin hat er noch einige Beweglichkeitsvorgänge an meinen Beinen vorgenommen. Letztendlich war die Begutachtung aber in 15Minuten abgeschlossen.


    Der Gutachter war der Meinung, dass bei mir auch weiterhin Komplikationen zu erwarten sind, aus diesem Grund hat er gleich am Tag der Begutachtung Röntgenbilder beider Knie anfertigen lassen. (Die Begutachtung hat in einem Krankenhaus stattgefunden)


    „Wahrscheinlich hören Sie leider zu den Patienten wo es nach einer OP leider auch zukünftig zu Einschränkungen kommen wird“, war seine Einschätzung.


    Er hat mir nach Abschluss des Gutachtens dann eröffnet das er aus seiner Sicht der Versicherung eine Beeinträchtigung von 1/10=7% Invaliditätsgrad mitteilen wird, aber dass vor Ablauf der 3 Jahresfrist eine weitere Begutachtung erfolgen sollte.


    Bedeutet ja das jetzt die besagten 7% Invaliditätsgrad ausgezahlt werden, und der Invaliditätsgrad eventuell bei der nächsten Begutachtung höher angesetzt wird.


    Frage:


    Muss ich das so hinnehmen? Der Ablauf des Gutachtens selbst war schon ein Witz. Mir ist schon klar, dass der Gutachter wahrscheinlich eher Versicherungsfreundlich agiert, er will ja auch zukünftig noch Gutachten erstellen. Davon lebt er ja!


    Mir kommt es vor das hier auf Zeit gespielt wird? Durch den Unfall kann ich auch in meinem Beruf nicht mehr alle Tätigkeiten problemlos ausüben.


    Was passiert wenn ich das Gutachten schriftlich bereits vorab anzweifele und den Gutachter wegen Befangenheit ablehne, eventuell auch über meinen Rechtsanwalt. Muss dann ein neues Gutachten erstellt werden?


    Oder soll ich warten bis ich das Gutachten in den Händen halte und schwarz auf weiss sehe was Sache ist und ggf. dann Einspruch einlegen?


    Versicherung in diesem Fall ist die HDI


    Für Antworten in dem Fall würde ich mich freuen.


    Weitere Infos unter: http://www.unfallopfer.de/foru…php?t=31533#ixzz3GwtAhfIh

  • Guten Abend,


    Zitat

    Muss ich das so hinnehmen? Der Ablauf des Gutachtens selbst war schon ein Witz. Mir ist schon klar, dass der Gutachter wahrscheinlich eher Versicherungsfreundlich agiert, er will ja auch zukünftig noch Gutachten erstellen. Davon lebt er ja!


    Hinnehmen müssen Sie das nicht, Sie können einen Gutachter auf eigene Kosten beauftragen und dieses dann der Gesellschaft vorlegen. Sollte Ihr Gutachten anerkannt werden, werden in der Regel auch die Kosten getragen.


    Zitat

    Mir kommt es vor das hier auf Zeit gespielt wird? Durch den Unfall kann ich auch in meinem Beruf nicht mehr alle Tätigkeiten problemlos ausüben.


    Ein Spiel auf Zeit macht keinen Sinn, denn Sie können bei späterer Leistung die Leistung rückwirkend verzinsen lassen. Wird also bei einer erneuten Untersuchung in einem Jahr festgestellt, dass der Inv.grad höher liegt, wird rückwirkend geleistet und bei HDI meine ich mit 4% verzinst. Einschränkungen im Beruf interessieren die Unfallversicherung überhaupt nicht, denn hier geht es rein darum, wie stark ist die körperliche Einschränkung nach dem Unfall. Der Beruf stellt lediglich bei der Berufsunfähigkeit ein Prüfungskriterium im Leistungsfall dar.


    Zitat

    Was passiert wenn ich das Gutachten schriftlich bereits vorab anzweifele und den Gutachter wegen Befangenheit ablehne, eventuell auch über meinen Rechtsanwalt. Muss dann ein neues Gutachten erstellt werden?


    Warten Sie doch erst einmal ab, was die Versicherung sagt. Schicken Sie ggf. die Befunde Ihrer anderen beiden Ärzte einfach hin zur Prüfung an die Versicherungsgesellschaft und bitten um Prüfung.


    Zitat

    Oder soll ich warten bis ich das Gutachten in den Händen halte und schwarz auf weiss sehe was Sache ist und ggf. dann Einspruch einlegen?


    Ja, erstmal kucken. Definitiv nicht abschließend anerkennen, denn Sie haben in den ersten drei Jahren nach dem Unfall jährlich die Möglichkeit der Nachbegutachtung. Aber auch nicht gleich mit dem Anwalt loslegen, oft hilft es wenn Sie oder Ihr Vermittler hier erstmal reden, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. Die Erfahrung zeigt, dass die Gesellschaften langsamer agieren wenn ein Anwalt eingeschaltet wird, da lieber dreimal geprüft wird was geschrieben wurde.


    Zitat

    Versicherung in diesem Fall ist die HDI


    Eigentlich ein guter Unfallversicherer mit einer sehr sehr guten Schadenabwicklung nach meiner Erfahrung.


    Noch vergessen:

    Zitat

    Dieses habe ich nach einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt abgelehnt, da auch nach der OP leider einige erhebliche Einschränkungen verblieben sind und er gemeint hat das die Versicherung hier nach der Nepper-Schlepper-Bauernfänger vorgeht.


    Tatsächlich werden diese Angebote gemacht und in vielen Fällen, insbesondere dann, wenn der Heilungsverlauf etc. optimal ist, dann sind diese Angebote schon gut, da schnell und einfach. Manche Versicherer werben sogar mit "Sofortleistung nach Diagnosestellung" bei bestimmen Verletzungen. Das es bei Ihnen laut Arzt "wahrscheinlich dauerhaft" zu Problemen kommen wird, wußte der Versicherer ja zu diesem Zeitpunkt nicht.


    Weiterhin alles Gute und viel Erfolg.
    Michael Götz

    Versicherungen sind meine berufliche und private Leidenschaft, denn zuviele Menschen lassen sich zu oft besch... von Versicherern und Vermittlern. Das darf nicht sein! So helfe ich gerne weiter.
    Aber natürlich sind meine Beiträge keine Rechtsberatung und ohne Gewähr.



    Michael Götz von der Albert Götz GmbH Versicherungsmakler mit Herz und Verstand
    Dipl. Betriebswirt (FH), Versicherungskaufmann

    2 Mal editiert, zuletzt von AGVM ()

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