Wann ist eine Vollkaskoversicherung sinnvoll?

  • Hallo,





    ich habe mir letzte Woche einen neuen Smart for4 bestellt,
    welchen ich in etwa einem Monat abholen kann. Jetzt wollte ich mich bereits um
    eine entsprechende Versicherung kümmern. Bisher hatte ich immer Teilkasko, aber
    da es sich um einen Neuwagen handelt, bin ich jetzt doch nicht ganz sicher.
    Lohnt sich der Abschluss einer Vollkaskoversicherung? Ab welchem
    Anschaffungswert würdet ihr zu einer Vollkaskoversicherung raten?





    Vielen Dank!

  • Lohnt sich der Abschluss einer Vollkaskoversicherung? Ab welchem
    Anschaffungswert würdet ihr zu einer Vollkaskoversicherung raten?

    Hallo Kasko,


    Du hast im Prinzip - vermutlich ohne es zu bemerken- die für jede Versicherung alles entscheidene Frage gestellt.
    Vorab gesagt: die konkrete Frage wird unbeantwortet bleiben müssen.


    Grundsätzlich ist eine Versicherung dazu da eine bestimmte Gefahr (die Dir droht) auf einen Dritten abzuwälzen.


    Hier in Konkreto die Gefahr des finanzielles Schadens in Folge eines selbstverschuldeten Unfalls, einer Unfallflucht des Schädigers oder einem Vandalismus.


    Die Frage die Du gestellt hast ist abstrakt derart zu beantworten, dass sich derjenige, der sich dieser Gefahr ausgesetzt sieht, sich im Klaren werden muss, ob er den finanziellen Schaden selber tragen kann und will. Diese Frage hängt von der Risikoneigung des Individiums ab.


    Folgendes entscheidungstheoretische Beispiel soll mein obige Ausführung verständlicher machen:
    Es wird unterstellt, dass

    • das Fahrzeug 5 Jahre genutzt wird,
    • kein Selbstbehalt in der Vollkasko vereinbart wird,
    • die Gefahr eines großen Schadens bei 05% liegt und die Schadenhöhe hierbei 10000€ beträgt
    • die Gefahr eines großen Schadens bei 10% liegt und die Schadenhöhe hierbei 05000€ beträgt
    • die Gefahr eines großen Schadens bei 20% liegt und die Schadenhöhe hierbei 01000€ beträgt

    Nun stehst Du vor der Wahl:
    Alternative I
    5 Jahre eine Vollkaskoversicherung abschließen, Jahresprämie 1300€ = 6500€
    Alternative II
    5 Jahre obigen Risiko ausgesetzt zu sein:
    Objektive (risikoneutrale) Berechnung = 0,05*10000+ 0,1*5000+0,2*1000 = 1200 * 5 = 6000


    Wenn Du jetzt schon die Versicherung instinktiv nicht ausgeschlossen hast, obwohl ein Mittelwertbetrachtung dazu führen müsste, bist Du auf dem richtigen Weg.


    Je nach finanziellen Situation und Risikobereitschaft hat nämlich obigen unsichere Zahlungsreihe eine andere Bedeutung.
    Anders: Ein Azubi wird wahrscheinlich eher bereit seit die objektiv teurere Alternative abzuschließen also ein mehrfacher Millionär; letzterer würde das finanzielle Risiko belächeln.
    Anders: Entweder Du zahlst jährlich 1300€ oder Du zahlst jährlich einen Beitrag zwischen 0 und 10000€. Was ist Dir lieber? :D


    Kurz und Knapp:
    Es liegt an Dir:
    Wie sind die Vermögensverhältnisse?
    Wie hoch schätz Du die Gefahr ein, dass ein Schaden eintritt ?
    Wie ist Deine Risikoneigung?
    usw..


    Sorry, dass ich Dir hier keine konkretere Aussage geben kann. Diese wäre definitiv nicht vertretbar

    Freundliche Grüße


    K - GURU


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    3 Mal editiert, zuletzt von K-Guru ()

  • Eine Antwort, der Respekt zu zollen ist...


    kurz und knapp für den, der es einfach mag:


    Bist Du in der Lage, den Totalschaden selbst zu tragen, und Du den Betrag, den Du dadurch verlierst, verschmerzen kannst, ist diese Versicherung ein KANN.


    Wenn Dich der Totalschaden vor den wirtschaftlichen Ruin stellt (womöglich ist das Auto "Oberkante Unterlippe" finanziert), ist diese Versicherung ein MUSS.



    [size=8]Ich schreibe hier als Privatperson. Versicherung ist auch mein Hobby 8o
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  • jaja immer diese Entscheidungstheoretiker :-)

    Freundliche Grüße


    K - GURU


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  • Du,


    man muss mal festhalten:


    Du hast mir einen Weg aufgezeigt, das Thema "Lohnen" eines Versicherungsvertrages mathematisch zu begreifen. Ich kann diesen nachvollziehen (auch, wenn ich nicht nachgerechnet habe), und finde diesen Ansatz sehr interessant - die meisten jedoch können Deinen Überlegungen nicht im Ansatz folgen ;(


    Für den Versicherer ist das Versicherungsgeschäft (in der Theorie) lohnend, weil er über die Vielzahl von Risiken mehr Geld einnimmt, als er ausgibt.


    Aber selbst der vorbezeichnete mathematische Weg einer Lösung ist für ein Einzelrisiko unbedeutend, denn die Stochastik liefert mir keinen zuverlässigen Wert über mein Einzelschicksal. Wenn ich 10 Smarts besitze, sollte ich diesen Weg möglicherweise schon beschreiten; besitze ich bloss einen, dann weiss ich nicht, ob der Schaden eintritt oder nicht, ob er morgen eintritt oder erst in fünf jahren.


    Das ist doch gerade das Geschäftsmodell der Versicherer. Die können über eine Vielzahl von Risiken kalkulieren und kommen (theoretisch, meistens auch praktisch) zu einem für sie positiven Ergebnis.


    Ich als Einzel-Risiko-Träger muss überlegen, ob ich den Totalverlust selbst tragen kann oder gegen Zahlung einer Prämie X abwälze... und das Risiko für mich damit kalkulierbar mache.


    Aus Sicht des einzelnen Risikos (ich weiss, ich sollte lieber über Wagnisse sprechen - ein Wagnis ist kalkulierbar, ein Risiko unkalkulierbar - ergo: für den Einzelnen ein Risiko, für den Versicherer ein Wagnis) ist die Versicherung dann lohnenswert, wenn der Schaden eingetreten UND die Entschädigung höher als der Beitrag war. Für den Versicherer war das Wagnis lohnenswert, wenn der Schaden nicht eingetreten bzw. die Regulierungsleistung zzgl. Verwaltungs- und Vertriebskosten geringer als die Prämie war.


    Eine Lohnensentscheidung über ein Einzelrisiko kann nicht getroffen werden, die Statistik (besser: Stochastik) sagt nur etwas über eine Vielzahl von Risiken / Wagnissen aus; nicht jedoch etwas Einschlägiges über das Einzelne.




    Unter uns:


    Erzähl mir doch nicht im Ernst, dass Du diese Rechnung aufmachst, wenn Du entscheidest, ob Du eine Hausrat, Haftpflicht, Rechtsschutz, KV-Zusatz ... abschließen willst. Du entscheidest doch auch eher, ob Du den GAU selbst tragen kannst oder bereit bist, für den Transfer den entsprechenden Beitrag zu zahlen...


    Oder wie gehst Du die Sache an?



    [size=8]Ich schreibe hier als Privatperson. Versicherung ist auch mein Hobby 8o
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  • Hallo,


    also erstmal vielen Dank für die vielen Antworten. Das hätte ich nicht erwartet. :thumbsup:
    Wie es nun halt einmal so ist, könnte ich natürlich die Kosten für einen eventuellen Schaden tragen, wobei es auch immer auf den Zeitpunkt ankommt. Irgendwie gibt es eben so Momente wo dann plötzlich der Kühlschrank kaputt geht, das Auto nicht mehr durch den TÜV kommt und wir die Studiengebühren für meinen Sohn zahlen müssen. Da wird es bei uns dann finanziell auch eher eng. Was das Risiko angeht, so muss ich zugeben, dass ich eher ein Schleicher bin und mich peinlich genau an die Verkehrsregeln halte. Was mir jedoch schon mal passiert ist:
    - Ich bin im Winter gegen einen Schneehaufen gerammt und hatte eine riesen Dulle im Auto
    - Ich habe versucht zwischen zwei parkenden Autos vorbei zu fahren und habe eins davon kurs angerammt :)
    Einen Unfall hatte ich noch nie...
    Ich nehme mal an, bei der Vollkasko wäre nur ich versichert? Wenn mein Mann oder mein Sohn mitversichert sein möchte, muss ich bestimmt noch extra drauf zahlen?
    Haltet ihr es für sinnvoll, die Vollkasko nur die ersten 2 Jahre zu nehmen, wenn der Wert des Autos noch sehr hoch ist?


    Danke und LG!

  • da wie schon gesagt kann der Entscheid nur individuell getroffen werden.
    Lass Dir doch einfach mal n Prämie geben, dann hast Du vielleicht auch ein besseres Gefühl für ein Abwägen.


    Grundsätzlich hängt die Prämie vom Nutzerkreis ab. Ein direkter Zusammenhang zwischen Versicherungschutz und Benennung des tatsächlicher Fahrerkreises besteht - mal abgesehen von vorsätzlich/arglistig falsch gemachten Angaben - nicht.


    Auch weiterhin werde ich Dir nicht die Entscheidung abnehmen :) jedoch klingelten bei mir die Alarmglocken bei zwei von Dir benannten Punkten:

    • ".... Da wird es bei uns dann finanziell auch eher eng."
    • "... Wenn .... mein Sohn mitversichert sein möchte." --> Sohn = Student = Jung = Fahranfanger = Erhöhte Gefahr eines Schadens???

    Dies sind Punkte, die darauf hin deuten, dass ein Abschluss einer VK sinnvoll wäre.
    Auch finde ich Deine Defintion von Unfall - als Fachmann - drollig :)

    Nach der versicherungstechnische Legaldefinition liegt ein Unfall eben dann vor, wenn das Fahrzeug durch ein unmittelbar von außen her plötzlich mit mechanischer Gewalt einwirkendes Ereignis beschädigt wird.


    Demnach hattest Du schon zwei Unfälle und damit potentielle Vollkaskoschadenfälle. Die benannten Ereignisse wäre also versichert.

    Freundliche Grüße


    K - GURU


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