Kreuzbandriss - Abfindungserklärung unterschreiben?

  • Hallo an alle,


    ich habe nun bereits sehr sehr viele Artikel hier im Forum gelesen und auch einige Meinung eingeholt.


    Zu meinem Fall, ich (25 Jahre alt) hatte einen Kreuzbandriss (Meniskus angerissen), dementsprechend eine OP (Kreuzbandersatz). Ich hatte regelgerecht
    den Unfall meiner PUV gemeldet, diese meinten standardmäßíg ich solle ein Gutachten bei einem Arzt Ihrer Wahl machen. Dies geschah und
    der Arzt setzte mich auf 1/7 dauernde Beeinträchtigung, kommt ung. auf 9000 Euro Leistungsbetrag zu Zahlen der UVP.


    Nun liegt jedoch eine Abfindungerklärung im erhaltenen Brief, dass hier von einem Endzustand auszugehen ist und ich innerhalb von 4 Wochen
    diese Abfindungserklärung unterschreiben soll, da die UVP lediglich eine angemessene Vorschussleistung erbringen könnte.


    Persönlich fühle ich keinen Endzustand, ich habe folgende Probleme (nach 1 Jahr und 3 Monate der OP):
    -stechenden Schmerz bei schneller Streckung
    -in die tiefe Hocke gehen / hinknien ist mit schmerzen verbunden und knacken beim wieder hoch gehen
    -sowie bereits durch 2 Fachärzte bestätigt, erstgradige vorder Schublade, endgradige Beuge- und Streckbeeinträchtigung, erstgradige Aufklappbarkeit


    Falls ich die Abfindung nicht unterschreibe, kenne ich diese 3 Jahres Grenze, wo ich jedes Jahr meinen Grad neu bemessen lassen kann. Mein Facharzt sage, besser
    wird es eh nicht mehr, jedoch kann er auch nicht sagen, ob es auch noch in den nächsten 3 Jahren wesentlich schlechter wird. Persönlich kann ich noch sagen, dass
    ich seit dem Unfall keinen aktiven Sport (Fussball, Handball) gemacht habe, da mir einfach die Sicherheit fehlt. Ich fühle eine Beeinträchtigung, kann aber selbst nicht
    sagen ob es die nächsten 3 Jahre wirklich schlimmer wird, das letzte halbe Jahr, ist es gleich geblieben.


    Nun zu meinen Fragen:
    - Unterschreiben Ja oder Nein? Erfahrungen?
    - Falls ich mir wieder das Kreuzband reiße, und ich nicht die Abfindungserklärung unterschreibe, fließt das in meinen "alten Unfall" dann mit ein, oder wird das komplett als neuer Unfall gesehen?
    - Wie hoche ist eine Teilauszahlung generell ungefähr, angenommen ich bekomme nach Abfindungserklärung 9000 Euro?


    Vielen Danke für eure Mühe, ich hoffe mir antwortet jemand :-)
    Gruß Chris

  • Hallo Chris,


    grundsätzlich sind solche Abfindungserklärungen mit äußester Vorsicht zu genießen, weil sie selten zum Vorteil des Versicherten sind. Selten heißt aber eben auch nicht "nie". Insofern kann das ohne Aktenprüfung keiner seriös beantworten, was in diesem Fall nun richtig oder falsch ist.


    Es kommt darauf an, aus welchen Gründen das Kreuzband später ggf. reißen wird. Spontan ohne neuen Unfall wird es wohl dem alten Unfall voll zugerechnet. Mit neuem Unfall wird es auch als neuer Unfall gewertet, bei dem allerdings der Vorschaden berücksichtigt werden wird.


    Bei der dritten Frage kommt es wieder darauf an, ob es überhaupt rechtens ist, dass der Versicherer ohne Unterschrift auf die Abfindungserklärung überhaupt nur eine Teilleistung auskehren darf oder ob er nicht trotzdem die volle Leistung jetzt schon erbringen muss und ggf. sein Neubemessungsrecht ausspricht. Auch hier kann man ohne Aktenprüfung nichts raten, weil gerade das Neubemessungsrecht auch ein mögliches Rückforderungsrecht der Versicherung beinhaltet.


    Vielleicht nicht ganz die gewünschte Antwort, aber die einzig mögliche, wenn man es seriös beantworten will. ;)


    Viele Grüße
    Angela

  • Hallo Angela,


    vielen Dank das du dir Zeit genommen hast meinen Fall durch zu lesen und Ihn zu beantworten.


    Ich habe mir schon Gedacht, dass es schwierig ist dies zu beantworten, da hier wie du gesagt hast, der
    voll Einblick in die Akten fehlt. Aber es ist gut zu wissen, falls etwas passiert (neuer Unfall beim Fussball),
    dass dies als "neu" bewertet wird, sodass eine etwaige Unterschrift mit Folgeunfällen nichts zu tun hätte.


    Was mich ins Grübeln gebracht hat, mit dieser Teilzahlung.. ist das überhaupt Rechtens?
    Schließlich wurde eine Invalidität festgestellt und alle erforderlichen Fristen eingehalten, somit MUSS ja quasi die PUV zahlen,
    sehe ich das richtig? Dementsprechend wäre es ja dumm von mir zu unterschreiben, nachdem der Arzt meinte,
    besser wird es eigentlich eh nicht mehr mit dem Bein.


    Ich werde morgen nochmals intensiv recherchieren, und meine Erfahrung beschreiben, evtl. hat ja jemand einen ähnlichen Fall.


    Gruß Chris.

  • Hallo Chris,


    du kannst Angela auch beauftragen. Jemand der sich besser damit auskennt wirst du höchstwahrscheinlich nicht finden.
    Das kostet dich vielleicht 500€ (Angela korrigiere mich, wenn ich daneben liege :) )
    Im "schlimmsten" Fall, hast du 8500€ statt 9000€, aber die Sicherheit alles richtig gemacht zu haben. Vielleicht bekommst du nachher aber auch 5000€ mehr.


    Gruß

    Philipp Mättig
    Regionalleiter für die
    Proventus Gruppe
    Pfaffendorfer Straße 26a
    04105 Leipzig


    Tel +49 341 927 043 00
    Fax +49 321 214 880 34
    Mobil +49 176 240 400 17
    Home: http://www.proventus-ag.de

  • Moin,


    dass dies als "neu" bewertet wird, sodass eine etwaige Unterschrift mit Folgeunfällen nichts zu tun hätte.


    Das stimmt so nicht ganz. Lies bitte mal genau, was ich schrieb. ;) Der Vorschaden bleibt ja nach wie vor der Unfall, für den eine Abfindungserklärung unterschrieben worden ist. Oft kann man Unfallfolgen nicht ganz sauber trennen. Es liegt aber die Vermutung Nahe, dass bei einem neuen Unfall, der dasselbe Bein betrifft, ganz gerne vollständig auf den Vorschaden abgestellt wird, wenn es dafür eine Abfindungserklärung gibt.


    Philipp Mättig: Danke für die Empfehlung. Es liest sich aber so, als ob Chris lieber auf eigene Faust recherchieren und eher kein Geld ausgeben möchte. Mag mich täuschen, aber meine weibliche Intuition flüstert mir das. :D Ansonsten käme das mit dem Betrag bei Abrechnung nach RVG und mit dem genannten Gegenstandswert ggf. in etwa hin. ;)


    Liebe Grüße
    Angela

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