Unfall mit unklarer Schuldfrage. Was nun?

  • Mein Freund und ich hatten am PKW-Wochenende einen Unfall (Blechschaden) mit laut Polizei unklarer Schuldfrage. Zunächst haben wir dies unserer Versicherung gemeldet (Vollkasko) und ebenfalls der gegnerischen Haftpflicht. Allerdings wissen wir nun überhaupt nicht wie es nun weitergeht. Seitdem grübeln wir eigentlich nur noch darüber nach und kennen leider niemanden, der uns helfen kann.


    Wie geht dies nun mit den Gutachtern weiter? Die gegnerische Haftpflicht bestellt einen, den wir aber nicht akzpetieren müssen und einen eigenen engagieren können? Wie läuft das dann mit dem Gutachter, wenn am Ende unsere Kasko einen Teil des Schadens übernimmt? Wie lange dauert das alles? Können wir nach den Gutachten endlich reparieren und geht dann noch mehr Zeit ins Land? Wie läuft das, wenn wir die Sachfolgeschäden bei der gegnerischen Versicherung geltend machen? und und und... Das ganze nagt sehr an uns - wir sind für jeden Rat dankbar.


    Aso, wir sind weder ADAC-Mitglieder (kostenfreie telefonische Beratung) noch haben wir eine Rechtsschutzversicherung.

  • Hi,


    scheint alles etwas dumm gelaufen zu sein. Erst einmal sollte die Schuldlage klar gestellt werden bevor Sie einen Gutachter einschalten und weitere kosten verursachen die Sie eventuell später aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. In der Regel wird nun jeder dem anderen die Schuld zuschieben, daher wäre ein Anwalt sehr hilfreich. Vielleicht sollte man mit einen Beratungstermin anfangen und über die Chancen sprechen.


    Gruß

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  • Guten Tag Annette,


    das wichtigste zuerst:
    Du hast den Dir entstandenen Schaden sowohl bei Deinem Kaskoversicherer geltend gemacht, also auch bei dem Haftpflichtversicherer des Unfallgegners. Hier ist vorsichtig geboten! Denn sobald Du den Schaden über den Kaskoversicherer regulierst, geht eine potentiell Dir zustehende Forderung gegenüber Dritten auf Deinen Kaskoversicherer über. Lies hierzu bitte § 86 VVG. Dies ist auch logisch wenn man drüber nachdenkt. Man könnte sich ja sonst den Schaden vom Kaskoversicherer und Haftpflichtversicherer des Unfallgegners "doppelt" bezahlen lassen.


    Zu Thema Gutachten:
    Hier wäre jetzt zunächst zu klären welchen "Weg" Du gehen willst. Möchtest Du das Dein Kaskoversicherer reguliert, musst Du Dich mit der gegnerischen Versicherung nicht mehr auseinander setzen. Das macht dann Dein Kaskoversicherer im Rahmen des Regresses.


    Möchtest Du den Schaden bei dem Haftpflichtversicherer geltend machen, solltest Du bevor Du ein Sachverständiger beauftragst die Schuldfrage geklärt haben.


    Zu Thema Selbstbehalt:
    Du kannst den Selbstbehalt, den Dein Kaskoversicherer in Abzug bringt und eine Unkostenpauschale beim Haftpflichtversicherer geltend machen. Auch hierfür muss natürlich eine Haftung seitenes des Dritten bestehen.


    Wenn Du magst kannst du ja mal den Unfall schildern.


    Ansonsten wende Dich doch an Deinen Vertreter / Makler des Vertrauens. Der steht Euch auch nach Vertragsabschluss zur Seite.

    Freundliche Grüße


    K - GURU


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    3 Mal editiert, zuletzt von K-Guru ()

  • Danke für die Antworten.


    Da ich nicht weiß, ob sich hier nicht
    auch der Unfallgegner herumtreibt (so schwer ist das Forum ja nicht zu
    finden), möchte ich möglichst wenig Details über mich und über den
    Unfall öffentlich preis geben. Nachher bekommt er so vielleicht eine
    Vorlage hier getätigte Aussagen von mir oder von anderen gegen mich zu
    verwenden. Gehen wir einfach davon aus, dass jeder eine Teilschuld hat
    (50:50, 60:40, 70:30 oder wie auch immer es am Ende ausgeht). Wir und
    auch ein um vier Ecken bekannter Versicherungsvertreter geht von einer
    Teilschuld aus, während unsere Direktversicherung meint, es würde "für
    uns ja gut aussehen".
    Mir geht es vor allem zu wissen, was unsere
    Möglichkeiten sind und wie wir dann jeweils vorgehen müssen. Leider
    findet man zu diesen Fragen im Internet wenig bis keine Antworten - die
    sind eigentlich immer nur für die klaren Fälle geschildert. Auch wie man
    mit den einzelnen Parteien interagiert, ist uns nicht klar. So heißt es
    doch immer nur z.B. "Ansprüche stellen", aber wie das abläuft steht
    nirgends.


    Sivas
    Da wir keine Rechtsschutzversicherung haben,
    möchten wir nicht dieser eh schon überbezahlten Branche der Anwälte
    nicht auch noch weiteres Geld in den Rachen werfen. Wenn es am Ende
    sowieso auf eine Teilschuld hinausläuft, verursacht uns das einfach nur
    noch weitere Kosten!


    K-Guru

    Du hast den Dir entstandenen Schaden sowohl bei Deinem Kaskoversicherer geltend gemacht, also auch bei dem Haftpflichtversicherer des Unfallgegners. Hier ist vorsichtig geboten! Denn sobald Du den Schaden über den Kaskoversicherer regulierst, geht eine potentiell Dir zustehende Forderung gegenüber Dritten auf Deinen Kaskoversicherer über. Lies hierzu bitte § 86 VVG. Dies ist auch logisch wenn man drüber nachdenkt. Man könnte sich ja sonst den Schaden vom Kaskoversicherer und Haftpflichtversicherer des Unfallgegners "doppelt" bezahlen lassen.

    In welcher Hinsicht ist es
    ungünstig, den Schaden über die Kasko regulieren zu lassen. Welche
    konkreten Ansprüche gebe ich damit ab? Der Gesetzestext gibt dazu keine
    weiteren Infos. Ist es dann nicht mehr möglich von der gegnerischen
    Haftpflicht Beträge z.B. für den Kasko-SB, Werkstattersatzwagen etc.
    einzufordern?

    Möchtest Du den Schaden bei dem Haftpflichtversicherer geltend machen, solltest Du bevor Du ein Sachverständiger beauftragst die Schuldfrage geklärt haben.

    Wie kläre ich die Schuldfrage? Und wie lange dauert das in etwa? Und wie geht man da vor?

  • Hallo Annette,


    Zitat

    Da ich nicht weiß, ob sich hier nicht auch der Unfallgegner herumtreibt


    das ist doch gleich.


    Zitat

    Wir und
    auch ein um vier Ecken bekannter Versicherungsvertreter geht von einer Teilschuld aus


    Dessen Meinung dürfte ebenso fundiert sein, wie die eines jeden x-beliebigen Menschen. Aber ok ist, wenn Du erst einmal von einer Teil-Schuld bei beiden Parteien ausgehst.


    Zitat

    während unsere Direktversicherung meint, es würde "für uns ja gut aussehen"


    Nun ja, das wird sich im Verlauf der Regulierung noch herausstellen. Es dürfte ja alles noch offen und vor allem auch möglich sein. Abwarten und Tee trinken...so heißt es so schön.


    Aber nun zu Deinen Fragen:


    Der von K-Guru beschriebene Forderungsübergang nach Versicherungsvertragsgesetzt hat für Dich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Relevanz. Die Regelung besagt (um es verkürzt und auf das Nötigste reduziert zu schreiben) nur:


    Stell Dir vor, Du hast einen Schadenersatzanspruch an Deinen Schädiger. Dennoch ziehst Du es vor, Deinen Schaden über Deinen Kasko-Versicherer zu regulieren. Dann geht der Anspruch, den Du Deinem Schädiger gegenüber hast, auf Deinen Kasko-Versicherer über. Und zwar genau mit dem Moment, in dem Dein Kasko-Versicherer Dir gegenüber den Schaden reguliert hat. Damit soll dem Versicherer die Möglichkeit gegeben werden, einen Regress beim Verursacher durchzuführen. Und Du sollst Dich an einem Schaden nicht unangemessen bereichern.


    Machen wir ein Beispiel:
    Teilverschulden DU: 30%, Gegner 70%.


    In diesem Fall erhältst Du 70% Deines Schadens vom Gegner. Die restlichen 30% abzgl. Selbstbehalt und ein paar Dinge, die in Kasko nciht unter Versicherungsschutz fallen, erhältst Du von Deinem Kasko-Versicherer. In dem Fall ist der Forderungsübergang für Dich nahezu irrelevant.


    Forderst Du den gesamten Schaden von Deinem Kasko-Versicherer, dann will er die 70%, die Du vom Gegner erhalten würdest, gerne bei diesem regressieren. Du kannst also nicht 100% Leistung von Deiner Kasko erhalten und noch zusätzlich die 70% vom Unfallgegner.


    Aber Dein Kasko-Versicherer leistet ja nicht alles das, was Du beim Schädiger beanspruchen kannst. Da nur die Ansprüche, die Dein Kaskoversicherer Dir gegenüber geleistet hat, auf ihn übergehen, hast Du noch immer die Möglichkeit, Ansprüche zu stellen, die nicht reguliert wurden.


    Dazu komme ich später.



    [size=8]Ich schreibe hier als Privatperson. Versicherung ist auch mein Hobby 8o
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    2 Mal editiert, zuletzt von pas-ko ()

  • Zitat

    Wie kläre ich die Schuldfrage? Und wie lange dauert das in etwa? Und wie geht man da vor?


    Gar nicht. Die Schuldfrage klären die beiden involvierten Haftpflichtversicherer. Denn Gegenstand der Haftpflichtversicherung ist:


    a) Prüfung der Ansprüche (auf Basis des geltenden Rechts)
    b) Abwehr unbegründeter Ansprüche --> der Geschädigte geht leer aus
    c) Befriedigung berechtigert Ansprüche --> der GEschädigte erhält Schadenersatz in Form von Geld von Deiner Versicherung


    Also, die beiden Versicherer korrespondieren miteinander, hören Zeugen, durchforsten ähnliche Geschehnisse, die eventuell von Gericht bereits entschieden wurden.


    Am Ende kommt dann eine Quotelung heraus, zu welchem Prozentsatz welche Partei für den Schaden verantwortlich ist.



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  • Zitat

    Da wir keine Rechtsschutzversicherung haben,


    Das ist nun doof.


    Denn Dein Haftpflichtversicherer hilft Dir zwar dabei, Deinen Teil der Schuld möglichst gering zu halten. Aber Deine Ansprüche gegen den anderen Haftpflichtversicherer durchzusetzen, da hilft Dir


    a) Du selbst
    b) derjenige, der es darf: DEIN ANWALT.


    Sonst kann es keiner, oder es findet nur laienhaft statt.


    Zitat

    möchten wir nicht dieser eh schon überbezahlten Branche der Anwälte


    Gerätst Du an einen Vollpfosten, dann war dieser in der Tat überbezahlt. Gerätst Du an einen pfiffigen Verkehrsjuristen, ist (fast) jeder Euro gut investiertes Geld.


    Eine Neid-Debatte wollen wir nicht führen, gell... Auch ich würde gerne für jede Minute meiner Arbeit gut bezahlt. Aber die Realtität schaut anders aus. Und dann gibt es noch Menschen, die mir eine Provision / Courtage vorenthalten (wollen), indem Sie zu Direkt-Versicherern gehen.


    Und dann im Schaden hilflos dastehen oder uns, die wir uns durch Provision / Courtage finanzieren, konsultieren.


    :-(


    Zitat

    Wenn es am Ende sowieso auf eine Teilschuld hinausläuft, verursacht uns das einfach nur noch weitere Kosten!


    Diese Sichtweise alleine ist falsch.


    Immerhin, sollte eine Quotelung stattfinden, hast Du Anspruch auf Ersatz Deiner Aufwendungen, eben zu jenem Teil, den der Andere Schuld trägt. Dies betrifft:


    - Kosten für die Schadenfeststellung (z.B. Gutachten)
    - Nutzungsausfallentschädigung
    - WErtminderung Deines Fahrzeuges
    - noch einiges mehr


    Wer setzt diese Ansprüche für Dich durch? Wer überwacht, ob Dein Haftpflichtversicherer ausreichend Abwehr betrieben hat?


    Es könnte sich also durchaus lohnen, einen findigen Juristen (mit Schwerpunkt auf Verkehrsrecht) zu beauftragen.



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  • Freundliche Grüße


    K - GURU


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  • Und nein, die gegnerische Haftpflichtversicherung bestellt keinen Gutachter. Es liegt an Dir, den erlittenen Schaden nachzuweisen. Ob dafür ein Gutachten nötig ist, kann pauschal nicht beantwortet werden.


    Wo ist das Fahrzeug jetzt? Wie hoch soll Dein Schaden sein, was sagt die Werkstatt dazu? Wie hoch der Schaden des gegnerischen FAhrzeuges?



    Wenn Du keinen Anwalt konsultieren willst, könnte ich mir folgendes Vorgehen als richtig und zielführend vorstellen:


    1.) Schadenmeldung an Deinen KFZ-Versicherer (ist ja bereits erfolgt)


    2.) Dein Kasko-Versicherer wird bei ausreichend hohem Schaden ein Gutachten anfertigen. Aus diesem werden relevante Daten hervorgehen, über die Dauer der Instandsetzung, Zeitwert vor Unfall, Restwert etc.


    3.) Du lässt Dein Fahrzeug instandsetzen. Regele mit Deinem Kaskoversicherer, dass er Dir gegenüber bis zur vollständigen Regulierung des gegnerischen Haftpflichtversicherer in Vorleistung tritt.


    Vorsicht aber: SFR-neutral den Schaden zurückzukaufen, das geht nur innerhalb von 6 Monaten nach Zahlung der Entschädigungsleistung. Ist der Schadenfall bis dahin hinsichtlich der Haftung noch nicht geklärt, wirst Du halt auch in Kasko zurückgestuft.


    Und genau für diese Vorleistung trittst Du dann die darauf entfallenen Haftungsansprüche ab. Diese holt sich Dein Kasko-Versicherer beim Gegner zurück. Darüber hinaus kannst Du dann noch vom Gegner die Differenz einfordern:


    - Höhe der Selbstbeteiligung
    - Wertverlust
    - Nutzungsausfallentschädigung
    - etc etc


    Diese Schäden kannst Du dann (möglicherweise) durch das Gutachten nachweisen, das Dein Kaskoversicherer angefertigt hat.



    4.) Beachte aber bitte auch:


    Es ist den Versicherern daran gelegen, die Regulierungskosten niedrig zu halten. Insofern kann es durchaus möglich sein, dass Dein Haftpflichtversicherer Dich nicht so gut als möglich verteidigt. Die Varianten dazu kannst Du für dich gerne mal durchspielen und anhand verschiedener Quotelungen mal nachrechnen, in welchem Fall Dein Versicherer eine hohe Leistung oder eine niedrige Leistung bezahlen muss. Ist abhängig von den konkreten Beträgen der beiden Schäden.


    Dabei war es zumindest egal, ob Du beim Direkt-Versicherer oder beim Service-Versicherer abgeschlossen hast. Die haben ja auch keine unterschiedlichen Gesetze der Betriebswirtschaft.


    Aber ganz ohne Hilfe den Leistungsabteilungen ausgesetzt zu sein, au backe...




    Viel Glück!



    [size=8]Ich schreibe hier als Privatperson. Versicherung ist auch mein Hobby 8o
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  • Aber ganz ohne Hilfe den Leistungsabteilungen ausgesetzt zu sein, au backe...

    :thumbsup: Unterschreibe ich bilnd :thumbsup:

    Freundliche Grüße


    K - GURU


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