Betriebl. Altersvorsorge - Entgeltumwandlung

  • Prinzip:
    Beiträge werden aus dem Bruttoeinkommen über den Arbeitgeber bezahlt, statt selber aus dem Netto. Durchgeführt meistens als Direktversicherung oder Pensionskasse, manchmal auch Pensionsfonds oder Unterstützungskasse. Pensionszusage kommt eher selten vor!


    Vorteil:
    - Steuerersparnis, je nach Steuersatz (meist 20-40 % des Beitrags)
    - Sozialversicherungsersparnis (ca. 20% des Beitrags bei ges. Krankenvers.)


    Im Ergebnis heißt das oft: 100,-- Euro Nettoaufwand bei 200,-- Euro Sparleistung, klingt also durchaus "spannend"!


    Nachteil:
    - Die Rente ist später ("nachgelagert") zu versteuern
    - Keine Verfügungsmöglichkeit vor Alter 60, keine Beleihung oder Kündigung möglich (Beitragsfreistellung geht).
    - keine freie Vererbbarkeit, im Todesfall nur Rente an Ehepartner/Lebensgefährte/minderjährige Kinder möglich!


    Vorsicht, Falle:
    -Die Sozialversicherungsersparnis endet am 31.12.2008 - danach sind Beiträge zu entrichten. DerVorteil sinkt also deutlich!
    -Die Altersrente unterliegt nicht nur der Steuer- sondern beim gesetzlich krankenversicherten auch der Beitragspflicht zur Krankenversicherung! Das heißt,dass in vielen Fällen knapp 15% der Rente an die Krankenversicherung fliessen - das wird bei der Beratung gerne "vergessen"!


    Uneingeschränkt zu empfehlen ist diese Form der Altersversorgung für den privat krankenversicherten, der im Alter keine hohen Einkünfte zu erwarten hat! In allen anderen Fällen empfiehlt sich ein genauer Vergleich, oft ist die "Riester-Rente" lukrativer als die Betriebl. Altersversorgung. Auch hier gilt also: Nichts geht ohne ordentliche Beratung!

  • Hi mi.scha,
    ich bin auch nur ein Mensch und muss zugeben, dass ich mit beiden Produkten meine liebe Mühe habe sie zu empfehlen, da ich selbst werder eine BAV noch eine Riester-Rente abschließen würde! Ich bin einfach der persönlichen Auffassung, dass die private Altersvorsorge in der 3. Schicht am besten aufgehoben ist!


    Selbstverständlich sind AKTUELL die Steuer- und Sozialversicherungsvorteile nicht von der Hand zu weisen, aber...!!! Was wird denn den Herren bis in 20-30-40 Jahren noch alles einfallen? Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als ich in der Branche angefangen habe. Damals bleute man uns ein, wir sollen Direktversicherungen über Gehaltsumwandlung verkaufen. Gesagt getan...und heute? Sehr viele Kunden haben sich im Nachhinein betrogen gefühlt (Thema: Beitragspflicht zur KV), obwohl ich ja wirklich nichts dafür konnte.


    Ein meiner Ansicht nach wesentlicher, negativer Punkt hast Du sogar noch vergessen! Wer entscheidet denn bei der BAV in den meisten Fällen, wem ich die nächsten 20-40 Jahre mein Geld anvertraue? Genau, mein Chef. Ein Wahnsinn! Nur weil er der Meinung ist, seine bevorzugte "Pfefferminzia" wäre auch für mich das Richtige!? Auch empfinde ich persönlich, dass Garantieprodukte die hier ja vertickt werden müssen, garantiert keine wirklich gute Performance zu lassen.
    Aber wen kümmerts??? Es ist wie im wirklichen Leben, wenn der DAX am höchsten steht wird er empfohlen und wenn er einen Tiefstand erreicht, dann rät jeder davon ab!


    Sicherlich mag es für den ein oder anderen einen Sinn machen und wenn er es unbedingt wünscht, soll er es ja auch haben. Aber bitte erst, wenn er sich wirklich darüber im Klaren ist was er sich da unter Umständen antut. Mag sein, dass mir sehr viel Courtage durch die Lappen geht und ich niemals ein Starverkäufer werde...drauf g.....! Ich hoffe man merkt an meiner Ausdrucksweise nicht, dass ich ein sehr emotionaler Verkäufer und Mensch bin *g*!


    alex13

  • Zitat


    Hi mi.scha,
    ich bin auch nur ein Mensch und muss zugeben, dass ich mit beiden Produkten meine liebe Mühe habe sie zu empfehlen, da ich selbst werder eine BAV noch eine Riester-Rente abschließen würde!


    Das ist ja Dein gutes Recht - sind immerhin in einem freien Land. Für förderberechtigte kann die Riester-Rente sehr wohl sinn machen, und Du wirst mir zustimmen, dass es kein Produkt der Schicht 3 gibt, dass ähnliche Nachsteuerrenditen abwirft wie Riester!


    Zitat

    Selbstverständlich sind AKTUELL die Steuer- und Sozialversicherungsvorteile nicht von der Hand zu weisen, aber...!!! Was wird denn den Herren bis in 20-30-40 Jahren noch alles einfallen?


    Mach es Dir doch nicht so schwer: Berater nach dem Stand heute! Alles andere ist "Glaskugel".
    Wer weiß, vielleicht findet der Gesetzgeber ja in 2 Jahren, dass die Schichten 1 und 2 derbe gefördert werden müssen, und erlässt daher auch die Abgeltungssteuer für Versicherungsprodukte der Schicht 3?


    Zitat


    Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als ich in der Branche angefangen habe. Damals bleute man uns ein, wir sollen Direktversicherungen über Gehaltsumwandlung verkaufen. Gesagt getan...und heute? Sehr viele Kunden haben sich im Nachhinein betrogen gefühlt (Thema: Beitragspflicht zur KV), obwohl ich ja wirklich nichts dafür konnte.


    Ich erinnere mich an die Zeit, als von der bindung an Versicherungen an sich abgeraten und die Fondssparpläne in den Himmel gelobt wurden. Tja, und nun kommt die Abgeltungssteuer - schöner Mist.


    Ich habe mich damit abgefunden, dass ich immer wieder durch Entscheidungen der Regierung überrascht werde. Lebe im jetzt, sonst grämst Du dich zu sehr.


    Frank Wilke

  • Ich habe mir angewöhnt, meinen Mandanten das anzubieten, was diese wollen. Wenn also jemand deutlich macht, dass er z.B. Fonds nicht mag, weil sie ihm zu "riskant" sind, dann teile ich zwar diese Meinung bei einer langen Restlaufzeit nicht. Ich setze aber auch keinen missionarischen Eifer daran, den Mandanten vom Gegenteil zu überzeugen.


    Eine kleine Grafik aus der Vergangenheit - und wenn der Mandant bei seiner Meinung bleibt, bekommt er das, was er will: Ein Produkt ohne Fonds, das für ihn passend erscheint.


    Gleiches gilt für bAV und für Riester. Hören wir doch auf, unsere Meinung unseren Mandanten überstülpen zu wollen, machen wir sie lieber zufrieden, indem wir ihnen geben was sie wollen.


    Oder anders im Verkäuferdeutsch, weil´s mancher besser versteht: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Was keinesfalls eine umfassende Aufklärung über "Risiken und Nebenwirkungen" ausschließt!

  • Zitat


    Ich habe mir angewöhnt, meinen Mandanten das anzubieten, was diese wollen.
    Hören wir doch auf, unsere Meinung unseren Mandanten überstülpen zu wollen, machen wir sie lieber zufrieden, indem wir ihnen geben was sie wollen.


    Genau das habe ich mir im Bereich PKV abgewöhnt, und im Rahmen der Vermittlerrichtlinie bzw. der daraus entstehenden Haftungsproblematik und Erklärungszwänge mein VSH gegenüber werde ich mir das auch in anderen Bereichen abgewöhnen.


    Wenn ein Kunde nicht das will, was ich will, dann muss er mir das unterschreiben und mich von sämtlicher Haftung freistellen. ;-)


    Frank Wilke

  • - Die EU-Vermittlerrichtlinien bringen definitiv keine neuen Haftungsrisiken für Makler. Wer das behauptet, hat einige Dinge nicht richtig interpretiert. Allerdings werden die Mandanten sensibilisiert, werden also öfters von Ihrem Schadensersatzanspruch Gebrauch machen als bisher.


    - Die Dokumentierung wird im Gegenteil für eine Ent-Haftung sorgen - ganz klar wird dokumentiert, wenn der Mandant nicht einer bestimmten Empfehlung folgt. Damit ist die Haftung erledigt. Ohne Doku (früher) eben nicht. Und jede noch so schlechte Doku ist für den Vermittler besser als gar keine - wenn er "sauber" gearbeitet hat.

  • Hallo mi.scha,


    ich drück mich mal anders aus: Bisher kriegt man höchstens von den Kunden eins auf den Deckel und zahlt's aus eigener Tasche, wenn man keine Vermögensschadenhaftpflicht hat. - Das war mir klar, dass ich als Makler für den Unsinn hafte, den ich verbreite.


    Aber demnächst kann es doch ein großes Problem sein: Überspitzt gesagt ist für die Kunden jeder VSH-versicherte Berater ein Millionär, und es gibt tausende von arbeitslosen Anwälten, die viellleicht keine Lust mehr auf Abmahnungswellen bei eBay, Website-Impressum oder sonstwas haben. Diese stürzen sich auf falsche Maklerverträge, fehlerhafte Dokumentationen (ich bin kein Jurist, ich traue mir keine rechtskonforme Dokumentation in jedem Punkt zu) etc.


    Was passiert nun? Jemand hat ein paar Klagen am Hals, die er auch noch verliert, seine VSH wirft ihn raus, und mit Vorschäden bekommet er keine neue, darauf folgt??? Berufsverbot!


    Frank Wilke

  • Das Risiko besteht durchaus, ich glaube aber nicht daran.


    Auch Ärzte müssen jeden Handgriff dokumentieren. Manchmal werden sie verklagt, wenn sie Mist bauen - meistens nicht. Jedenfalls gibt es immer noch Ärzte!


    Vielleicht bin ich auch nur ein grenzenloser Optimist - wenn ich das aber nicht wäre, könnte ich meinen Job nicht machen. Ich hoffe allerdings auf eine Marktbereinigung - und wir stehen "Gewehr bei Fuß", um frei werdende Bestände zu kaufen. :D

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