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Sonntag, 9. Oktober 2016, 21:15

Bescheinigung gemäß Paragraph 5 des Pflichtversicherungsgesetzes

Guten Abend,

wir haben vor wenigen Jahren die Vollkasko unserer Autos gekündigt. Teilkasko und Haftpflicht bestehen weiter beim selben Versicherer. Nun habe ich in einem nutella-Artikel gelesen, dass der Schadenfreiheitsrabatt bei einem Versicherer ggf. nach mehreren Jahren verloren geht, da die Versicherer die Daten nicht ewig speichern. Sollten wir also in ein paar Jahren ein neues Auto kaufen und vollkaskoversichern wollen, könnte es sein, dass sich der Versicherer nicht mehr an die alte SF-Klasse erinnern kann. Als Abhilfe empfiehlt nutella , dass man sich eine Bescheinigung gemäß Paragraph 5 des Pflichtversicherungsgesetzes ausstellen lässt. Mit dieser Bescheinigung könnte man zur Not zu einem anderen Versicherer gehen - manche (siehe Tabelle) erkennen die Bescheinigung gem. § 5 PflVG als Nachweis der SF-Klasse an. Die Bescheinigung habe ich zu beantragen versucht - leider stellt sich mein derzeitiger Versicherer quer. Folgendes ist passiert:
  1. Ich habe die Bescheinigung beantragt. Wenige Wochen später kam als Antwort, dass man diese Bescheinigung nur für gekündigte Verträge ausstellen könnte. Eine Ausstellung wäre daher in unserem Fall nicht möglich. Stattdessen hat der Versicherer die SF-Klassen einfach in einem gewöhnlichen Schreiben bestätigt.
  2. Daraufhin habe ich dem Versicherer geantwortet, dass er diese Bescheinigung gem. § 5 Abs. 7 PflVG JEDERZEIT während des Versicherungsverhältnisses auszustellen hat. Seine Antwort: Ja, aber die Ausstellung während des Vertragsverhältnisses würde dazu führen, dass der betreffende Schadenfreiheitsrabatt als abgegeben anzusehen wäre, sodass unser Vertrag sofort eine Neueinstufung erhalten würde (z.B. Führerscheinregelung mit SF 1/2).
Was ist in dieser Situation ratsam?
  • Hat der Versicherer mit seiner zweiten Antwort Recht?
  • Ist die vorhandene Bescheinigung der SF-Klassen (nicht nach § 5 PflVG) ausreichend, sodass die Werte zur Not von anderen Versicherern anerkannt würden?
  • Ich vermute, dass wir durch die Kündigung der Vollkasko einen neuen Vertrag (Teilkasko/Haftpflicht) abgeschlossen haben. Wenn ich mich recht entsinne, hat der Vertreter damals darauf bestanden.Würde man die Neueinstufung vielleicht dadurch umgehen können, dass man sich die Bescheinigung gem. § 5 PflVG nur für den alten Vertrag ausstellen lässt (also für Voll-/Teilkasko + Haftpflicht)? Es könnte ja sein, dass der Versicherer denkt, wir wollten die Bescheinigung für beide Verträge haben.
Übrigens: Ist es rechtens, wenn der Vertreter darauf besteht, dass man bei Kündigung der Vollkasko in den teureren Neu-Tarif von Teilkasko/Haftpflicht wechselt?

Vielen Dank im Voraus!
AG_cm

P.S. Mir ist bekannt, dass es in meiner Situation noch einen anderen Trick gäbe: Dass einige Versicherer die SF der Haftpflicht unter bestimmten Voraussetzungen auf die SF der Vollkasko übertragen. Man weiß natürlich nicht, ob diese Versicherer diesen Trick in ein paar Jahren immer noch zulassen. Daher wollte ich an dieser Stelle den Sachverhalt mit der Bescheinigung gem. § 5 PflVG diskutieren.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »AG_cm« (9. Oktober 2016, 21:22)


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Montag, 10. Oktober 2016, 09:41

Guten Morgen,

mein Tipp, machen Sie es nicht komplizierter als es ist.

Übrigens: Ist es rechtens, wenn der Vertreter darauf besteht, dass man bei Kündigung der Vollkasko in den teureren Neu-Tarif von Teilkasko/Haftpflicht wechselt?

Der Vermittler nicht - aber der Versicherer. Bei einer Vertragsänderung kann es vorkommen, dass diese nur mit einer Tarifumstellung auf den derzeit aktuellen Tarif möglich ist. Ob der neue Tarif dabei teurer oder günstiger ist spielt hierbei keine Rolle.

Die Angleichung des SFR in Vollkasko ist übrigens kein Trick, sondern in den Bedingungen festgehalten und gängige Praxis. Alleine die Idee, dass dies irgendwann (wann auch immer) nicht mehr bestehen sollte, finde ich einen interessanten Gedankengang.

Grundsätzlich kann ich Sie beruhigen, dass solange Ihr Vertrag läuft und somit der SFR aktiv ist, Sie auch in der Vollkasko den entsprechenden SFR erhalten werden.

Es schaut natürlich anders aus, wenn Sie länger als sieben Jahre keinen aktiven SFR mehr haben - also auch keinen in der K-Haftpflicht. Vielleicht war auch dies der Ansatz in dem von Ihnen genannten Artikel. Zugegeben - ich habe ihn nicht gelesen.

Alles andere ist nur völlig unnötiger Aufwand ohne einen Mehrertrag. Aber man sieht auch hier, wie schnell und einfach man Kunden verwirren kann.



Beste Grüße
Andreas Matin
-Versicherungsfachwirt-
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Versicherungen, Vorsorge & mehr ...

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Freitag, 11. Mai 2018, 10:50

Aufklärung

Guten Tag zusammen.

Ich denke das Anliegen des ursprünglichen Fragestellers wird sich mittlerweile erledigt haben.

Für alle die über Google etc. auf diese Frage gestoßen sind folgendes:

Es heißt im Gesetzestext: "(7) Das Versicherungsunternehmen hat dem Versicherungsnehmer bei Beendigung des Versicherungsverhältnisses eine Bescheinigung über dessen Dauer, die Anzahl und Daten während der Vertragslaufzeit gemeldeter Schäden, die zu einer Schadenzahlung oder noch wirksamen Schadenrückstellung geführt haben, auszustellen; ist die Rückstellung innerhalb einer Frist von drei Jahren nach ihrer Bildung aufgelöst worden, ohne daß daraus Leistungen erbracht wurden, so hat der Versicherer auch hierüber eine Bescheinigung zu erteilen. Während des Versicherungsverhältnisses hat das Versicherungsunternehmen dem Versicherungsnehmer jederzeit eine Bescheinigung nach Satz 1 innerhalb von 15 Tagen ab Zugang des entsprechenden Verlangens bei dem Versicherungsunternehmen zu erteilen."

Verlangt der VN während des Bestehens des Versicherungsvertrages eine §5-Bescheinigung, KANN diese gar nicht vollständig erteilt werden, da keine Angabe über das Vertragsende gemacht werden kann. Dann hat man zwar eine Auskunft über den bestehenden SFR, diese wird jedoch kein Versicherer anerkennen. Die Voraussetzung für die Übernahme eines Schadenfreiheitsrabattes ist die Beendigung des Vorvertrages, Ausnahme SFR-Abtretung, Fahrzeugparkerweiterung oder Betriebsübernahme.

Um eine vollständige Bescheinigung nach §5 PflVG zu erhalten, muss der Vertrag also beendet sein. Bei Ausstellung dieser Bescheinigung wird bei dem Vorversicherer ein fiktiver Anschlussversicherer hinterlegt, damit der SFR nicht doppelt bestätigt wird.

Die SF-Klasse der Kfz-Haftpflicht- und der Vollkaskoversicherung hängen zusammen. Das bedeutet, dass ich nicht die KH-SF-Klasse für den einen und die VK-SF-Klasse für einen anderen Vertrag benutzen kann.

Mehr als eine Auskunft ist also zu der oben beschriebenen Frage gar nicht möglich.

Außerdem: Jeder Versicherer ist verpflichtet, die Daten zu Schadenfreiheitsrabatten mindestens 7 Jahre lang aufzubewahren. Danach ist der SFR verfallen und wird von Versicherern teilweise nur noch aus Kulanz anerkannt.

Diese Bescheinigung nach §5 PflVG wird im Übrigen nur ein einziges Mal ausgestellt, also gut drauf aufpassen.

Noch ein gut gemeinter Rat: Bevor man einem Versicherer mit Paragrafen kommt, sollte man die Gesetzestexte mal genau lesen und sich ggf. auch mal über den Tellerrand hinaus informieren. Denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus.

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