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Samstag, 5. Januar 2008, 11:45

Branchen-News: Informationspflicht nach VVG-Novelle bringt Papierflut mit ungewissem Ausgang

Hallo, in die Runde.
Ich bin hauptamtlich arbeitender Redakteur und habe eben nachstehenden Beitrag auf den Schreibtisch bekommen, der den einen oder anderen unter Ihnen interessieren könnte. In diesem Zusammenhang der Gedanke, ob sich nicht ein Brett mit Branchen-Nachrichten gut im Forum machen würde?

Herzlich aus Pirmasens
C. Bischoff, bico

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Kleingedrucktes frei Haus: Neues EU-Gesetz stärkt Verbraucherrechte beim Abschluss von Versicherungen

Informationspflicht bringt Papierflut mit ungewissem Ausgang /
Abwicklung per Antragsmodell über das Internet möglich

Umständlich formulierte Anträge, die Versicherungsnehmer durch vorab zu leistende Unterschriften in die Rolle von Bittstellern gezwungen haben, gehören seit dem 1. Januar der Vergangenheit an. Das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG) hat Schluss gemacht mit dem so genannten Policen-Modell, das den Kunden dazu verpflichtet eine Absicherung zu beantragen – ohne die Bedingungen zu kennen, die der Versicherer mit einem solchen Vertrag verbunden hat.

„Die Neuordnung des VVG erlaubt es den Verbrauchern, sich vor Vertragsschluss über Einzelheiten und Ausnahmeregelungen zu informieren“, sagt Oliver Reinking. Damit habe der Gesetzgeber die Versicherungsbranche dazu verpflichtet, in ihrer Geschäftspraxis den Gepflogenheiten anderer Handelsabschlüsse zu folgen. „Kein Verbraucher würde auf den Gedanken kommen ein neues Auto zu bestellen, ohne zu wissen, ob der Wagen in der gewünschten Motorisierung, Farbe und Ausstattung lieferbar ist“, erklärt der Fachmann. Genau das war in der Versicherungsbranche bislang die gängige Praxis. Oliver Reinking ist Dipl.-Mathematiker und Vorstand der Zweibrücker Askuma AG, einer Gesellschaft, die sich auf die Abbildung von Sachversicherungs-Prozessen im Internet spezialisiert hat.

Damit künftige Versicherungsnehmer tatsächlich in die Lage versetzt werden sich umfassend über die Hintergründe ihrer künftigen Versicherungen zu informieren, stehen vor allem Versicherungsmakler vor einem Problem: Im Gegensatz zu Vertretern, deren Angebote an nur eine Gesellschaft gebunden sind, sehen sich Makler vor der Herausforderung, ihren Kunden ab sofort das Kleingedruckte aller Versicherungsanbieter präsentieren zu müssen, die einen Beitrag zu der gewünschten, möglichst individuell zugeschnittenen Absicherung leisten könnten. Oliver Reinking: „Um ihrer Informationspflicht zu entsprechen haben Makler und Vertreter nun die Möglichkeit, zwischen zwei Modellen zu wählen – dem Antragsmodell und dem Invitatio-Modell.“

Das Antragsmodell besagt, dass der Vermittler dem Interessenten vor der Antragsstellung sämtliche Unterlagen, inklusive Verbraucherinformationen und den allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVBs), zur Verfügung stellen muss. All dies sei – so der Gesetzgeber – notwendig, damit ein vollständiges Bild über den tatsächlichen Umfang der angestrebten Versicherung entsteht. Der Versicherungsnehmer muss die Unterlagen bei Erhalt gegenzeichnen. Das ist, so Oliver Reinking, auch per E-Mail möglich und spreche für die Zusammenarbeit von Versicherungsmaklern mit Anbietern, die die Informationen möglichst viele Versicherungsgesellschaften im Internet zusammengefasst haben. Dort sei es zudem sicher gestellt, dass alle Unterlagen stets aktuell zum Abruf bereit liegen.

Bei dem Invitatio-Modell versucht der Versicherer, dem Kunden ein Angebot „auf gut’ Glück“ schmackhaft zu machen. Auch diese, auf dem Postweg oder per Mitarbeiter, zugestellte Offerte muss alle nötigen Unterlagen enthalten. Erst wenn der Interessent das Angebot angenommen hat, tritt dieses in Kraft. Bleibt zudem die ausdrückliche Willenserklärung aus, verfällt der Antrag, die Vorarbeit des Agenten war vergeblich.

Vor allem für Versicherungsmakler sei das Invitatio-Modell mi erheblichen Nachteilen verbunden. Oliver Reinking: „Es nicht eindeutig geklärt, wie die kunden- und risikorelevanten Daten zum Versicherer kommen. Außerdem müsste der Vermittler vom Versicherer in einem weiteren Arbeitsschritt über den Abgabezeitpunkt des Angebotes informiert werden, um sicherzustellen, dass der Interessent das Angebot auch tatsächlich angenommen hat.“ Unter dem Strich bringe das Invitatio-Modell für den Vermittler „eine Menge Laufarbeit mit ungewissem Ausgang.“ Gewinner der Novelle seien zwar in jedem Fall die Verbraucher, davon ist Oliver Reinking überzeugt. Es gelte aber auch an die Menschen zu denken, die mit der Vermittlung von Versicherungen ihren Lebensunterhalt verdienen.


mischa

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2

Montag, 7. Januar 2008, 06:51

Meine Meinung dazu:
Schon bisher hatte der Kunde nach Erhalt aller Unterlagen ein Rücktrittsrecht vom Vertrag. Eine tatsächliche, praktische Verbesserung der Verbraucherrechte vermag ich kaum zu erkennen.

Der bürokratische Aufwand dagegen erhöht sich erneut, so dass viele Maklerunternehmen zum Aufgeben gezwungen werden oder mit erheblich erhöhten Verwaltungskosten zurechtkommen müssen.

Fazit: ein typisch deutsches Bürokratiemonster ohne Nutzeffekt in der Praxis. Zumindest gilt dies für die neuen Antragsverfahren, andere "Verbesserungen" halte ich zum Teil schon für nützlich.
Liebe User, da ich in diesem Forum nicht mehr regelmäßig aktiv bin, können (allgemeine) Fragen an mich über meinen (neuen) Blog gestellt werden: http://www.finanzberater-augsburg.de

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mischa


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3

Montag, 7. Januar 2008, 07:59

Ob der Kunde die Unterlagen vor oder nach dem Abschluss nicht liest ist irrelevant. Das ganze Monstrum VVG-Reform ist, zumindest im Punkt der Informationspflichten Gewissensberuhigung der Verbraucherschützer und lediglich theoretisch eine Verbesserung!



Was gerne übersehen wird, fast die ganzen Kosten, die aus der VVG-Reform resultieren, zahlt der Kunde!
Sämtliche Antworten, Aussagen und E-Mails werden von mir als Privatperson getätigt und sind ohne jegliches gewerbliches/berufliches Interesse und ohne Anspruch auf Richtigkeit!
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4

Dienstag, 8. Januar 2008, 18:40

ich kann mich meinen vorrednern nur anschließen.
ich arbeite bei einem unternehmen, daß damit wirbt verhältnismäßig preisgünsig zu sein.
die abschlußquote bei kfz liegt bei sage und schreibe 20 % für jeden zum kunden gesandten antrag.
jetzt ist der antrag doppelt so dick und dann kommen noch die bedingungen dazu. alles rausgeschmissenes geld, denn 99,5 % der leute lesen weder den antrag richtig durch noch daß sie überhaupt checken, daß die bedingungen nicht dazu gedacht sind sich den allerwertesten damit abzuwischen (auch wenn man dass aufgrund der papierqualität denken könnte :pinch: ).
mal sehen wie lange wir noch unsere kostenquote halten können ^^

ob sich das kind widerspruch oder widerruf nennt ist auch absolut egal. zum schluß kommt das selbe bei raus.
und über diesen dreck von wegen dokumentationspflicht brauchen wir erst gar nicht reden. die, die eigentlich am meisten dokumentieren müßten, nämlich versicherer am telefon brauchen es nicht, die fallen unter das fernabsatzgesetz. alle anderen schreiben im endeffekt auch nur textbausteine. wirkliche gründe für eine bestimmte beratung auf ein bestimmtes produkt kann sich kein vernünftiger vermittler einfallen lassen, da er dazu einfach keine zeit hat. sein lebensunterhalt ist es versicherungen zu verkaufen und nicht romane zu schreiben. alles nur augenwischerei, alles was in der dokumentation steht kann man genausogut in einem prospekt unterbringen. :cursing:

Franke

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5

Donnerstag, 10. Januar 2008, 16:26

Hallo, in die Runde.
„Kein Verbraucher würde auf den Gedanken kommen ein neues Auto zu bestellen, ohne zu wissen, ob der Wagen in der gewünschten Motorisierung, Farbe und Ausstattung lieferbar ist“, erklärt der Fachmann.


naja. wenn´s der fachmann sagt...

fakt ist doch, dass auch der vn über die wesentlichen und "erkennbaren" merkmale einer versicherung aufgeklärt wird - sofern er danach fragt. ansonsten funktioniert der verkauf ja auch gar nicht. nach dem motto "zahle 100 euro im monat und du kriegst irgendwas", läuft es ja dann doch nicht.

allerdings ist es dem vermittler genauso unmöglich wie dem autoverkäufer, dem kunden alle details (die ihn evtl. auch gar nicht interessieren) zu erläutern.

der autoverkäufer teilt mir genauso mit in welcher farbe ich die kiste haben kann (prospekt), wie ich dem vn z.b. auf die verischerungssummen hinweise oder ähnliche basisdaten anhand einer kurzübersicht präsentiere.

und andersrum ist´s genauso - der autoverkäufer erläutert mir auch nicht im detail welche dicke der glühfaden der rücklichter hat. genauso erfährt der vn z.b. nicht von mir die genauen möglichkeiten eines versicherten einbruch-diebstahls in der hausratversicherung bzw. wann dies eben nicht als einbruch-diebstahl im sinne der bedingungen gilt.

klar - wen es interessiert, der soll doch bitte einen blick in die vhb werfen - steht alles drin. andersrum muss ich eben in die bedienungsanleitung sehen. das ist doch völlig logisch.

achja - bedienungsanleitung - wann bekomme ich die ausgehändigt? vor - oder doch nachdem ich die kiste gekauft habe???????

da frag ich mich doch glatt, was die große auto-lobby zu diesem vorgehen sagen würde...
Der (Ober-) Franke

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talla28

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6

Freitag, 11. Januar 2008, 09:12

seh ich auch so,

abgesehen davon war es auch bisher kein problem für den kunden, vom versicherer seiner wahl vorab die vertragsbedingungen ausgehändigt zu bekommen...eine bedingungsanleitung für ein auto bekomm ich von keinem händler eifnach so geschenkt ;)
Viele Grüße

der talla...

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Donnerstag, 17. Januar 2008, 21:55

Zum Thema Papierbedarf, darf ich anmerken, dass ich es heute geschafft habe, bei einem Kunden eine komplette Tintenpatrone aufzubrauchen! Das ist bei mir Rekord, bei den Kollegen gab es auch schon ähnliche Fälle. Was der Kunde davon haben wird, ich denke nichts!
Sämtliche Antworten, Aussagen und E-Mails werden von mir als Privatperson getätigt und sind ohne jegliches gewerbliches/berufliches Interesse und ohne Anspruch auf Richtigkeit!
http://www.lamers-gmbh.eu/ http://www.lamers-gmbh.de/ https://www.debeka.de/svb/butzbach/index.html

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Samstag, 26. Januar 2008, 23:16

Papier

Hallo,

ich meine Irgendwie muss der Regenwald ja weg, hab gehört Frau Zypries hat im Amazonas Land gekauft und müsse das Grün loswerden. :D Scherz bei Seite, regt Euch nicht auf, nehmt USB Sticks oder CD Rohlinge und brennt dem Kunden vor Ort das was er braucht.


MfG

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