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Dienstag, 15. November 2016, 18:43

Diebstahl Taschenuhr - Schadenshöhe? - Wer zahlt?

Hallo, liebe Forengemeinde

ich wende mich an euch mit folgendem Problem: Meine Mutter hat vor fast zwei Jahren eine Taschenuhr zur Reparatur gegeben, der Uhrmacher hat sie ewig liegenlassen, schließlich wurde irgendwann in das Geschäft eingebrochen und die Uhr entwendet. Soweit, so schlecht, es kommt aber noch schlechter, sowohl die Versicherer als auch meine Mutter haben die Angelegenheit lange verzögert, und ich habe es nun schließlich in die Hand genommen. Hier eine kurze Übersicht des bisherigen Ablaufs:

19.06.2015 - Versicherer A teilt mit, dass bei seinem Kunden (also dem Uhrmacher) besagte Uhr entwendet wurde. Meine Mutter möge sich an ihre Hausratversicherung wenden.
20.10.2015 - Meine Mutter wendet sich erneut an A, nachdem ihre Hausrat, Versicherer H, sich totstellt
20.11.2015 - A teilt das Gleiche mit wie schon zuvor
30.12.2015 - Nachdem meine Mutter erneut bei H vorstellig wird, fordert dieser von A den Fragebogen zur Schadenshöhe an, nur um festzustellen, dass A zahlen soll.
28.06.2016 - A entschuldigt sich auf weitere Nachfrage für die verspätete Antwort und teilt mit, dass ihm erstens die Schadenssumme zu hoch erscheint und zweitens "insgesamt nur 2045,20 Euro für Kundeneigentum versichert" sind und von dieser Summe "bereits andere Kunden entschädigt" wurden.

Nun ergeben sich ja mehrere Fragen:

Wie soll/kann meine Mutter den Wert einer Uhr nachweisen, von der nur noch Restbestände übrig sind (Lederetui und ein Metallring), und von der kein Foto existiert?
Welche Regel gilt, wenn der Wert nicht nachgewiesen werden kann?
Wie ist eine Uhr zu bewerten, die vor 30 Jahren etwas über 2000 DM gekostet hat? Eins zu eins oder mehr wegen Inflationsausgleich oder weniger wegen Wertverlust?
Kann es ernst gemeint sein, dass das gesamte Kundeneigentum, welches in einem Uhrengeschäft zur Reparatur liegt, nur mit einem Betrag von insg. 2045,20 Euro versichert ist? Allein die "krumme" Zahl scheint uns schon unplausibel.
Ist es richtig, dass nach der Devise vorgegangen wird: Den letzten beißen die Hunde? Sprich: Wenn die ersten Kunden ausgezahlt wurden und das Geld alle ist, haben die anderen Pech gehabt?

Ich hoffe, ihr könnt etwas Licht ins Dunkel bringen, nachdem meine Mutter nicht in die Puschen gekommen ist und wir beide keine Ahnung von der Materie haben.

Danke und Gruß, hirsebrei :)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »hirsebrei« (15. November 2016, 18:47) aus folgendem Grund: Formatierung


Peter Wolnitza

Versicherungsprofi

Beiträge: 256

Wohnort: Nidderau

Beruf: Versicherungsmakler

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2

Mittwoch, 16. November 2016, 10:08

Wenig Hilfe

Hallo,

zum Sachverhalt an sich kann ich nix sinnvolles beitragen, da Sachversicherungen nicht mein Thema sind.

Eine Erklärung für die "krumme Zahl" hab ich aber - multipliziere mit 1,95583 (Euro-DM-Kurs bei Einführung), dann gibt das 4.000.- DM. (= Vermutliche Versicherungssumme für fremdes Eigentum oder so ähnlich)
Vermutlich ein Uralt Vertrag, der über Jahrzehnte nicht an aktuelle Bedingungen und Summen angepasst wurde.

Zum Schaden an sich werden hier andere mehr sagen können...
Peter Wolnitza
Makler für BU, PKV, Altersvorsorge
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pas-ko

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Beiträge: 604

Wohnort: Nauort

Beruf: Versicherungsfachwirt (IHK)

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3

Freitag, 18. November 2016, 19:14

Hallo,

das Fallbeispiel kann unter zwei Gesichtspunkten erörtert werden:

A.) Bereich der Sachversicherung (Geschäftsversicherung des Uhrmachers sowie Hausratversicherung der Mutter)

B.) Haftpflicht (Pflicht zur Haftung des Schädigers, hier Uhrmacher, gegenüber der Geschädigten)

und die Antworten zu Ihren Fragen variieren, je nach welcher Sicht die Antwort gegeben wird.


Antwort zu Ihren Fragen nach A: Sicht der Sachversicherung

Zwischen dem Uhrmacher und dem Versicherer des Geschäftsinhaltes besteht ein Inhaltsversicherungsvertrag. Fremdes Eigentum ist grundsätzlich über eine Inhaltsversicherung mitversichert, und zwar zum Neuwert.

In diesem speziellen Vertrag scheint es jedoch, dass für fremdes Eigentum (Kundenhabe) eine Risikobegrenzung in Form einer festen Höchstentschädigung vereinbart wurde (4.000 DM = 2.045,17 EUR).

Rechte aus einem Inhaltsversicherungsvertrag können nur die Vertragsparteien selbst ableiten (also der Uhrenmacher auf Zahlung einer Entschädigung, der Versicherer auf rechtzeitige Zahlung von Beiträgen); insofern haben Sie weder das Recht auf Einsicht in den Vertrag und dessen Bedingungen, noch das Recht darauf, dass der Versicherer überhaupt mit Ihnen kommuniziert oder korrespondiert, noch haben Anspruch auf irgendeine Art von Leistung aus diesem Vertrag.

Der Versicherer wird seine Höchstentschädigung von 2.045 EUR an seinen Vertragspartner, den Uhrenmacher, ausgeschüttet haben, dessen Aufgabe die Verteilung des Geldes ist und hat damit seine Pflicht erfüllt. Mehr ist hier nicht zu holen.

Da es sich bei der Taschenuhr um einen Hausratgegenstand handelt, und ein Einbruch-Diebstahl vorliegt, ist es richtig, sich an den eigenen Hausratversicherer zu wenden. Da die Uhr außerhalb der Wohnung durch Einbruch-Diebstahl gestohlen wurde, sind hier die Regelungen der Außenversicherung zu beachten, die Gegenstand einer jeden Hausratversicherung sind.

Hierzu gibt es im Bereich der Sach-Versicherer jedoch den Grundsatz "Fremd vor Außen". Dies bedeutet, es geht ein bestehender Versicherungsschutz des Uhrenmachers dem Versicherungsschutz über die Außenversicherung der eigenen Hausrat vor. Insofern hat der Hausratversicherer zunächst korrekt gehandelt und Sie an den Versicherer des Uhrenmachers verwiesen bzw. darauf hingewiesen, zu prüfen, ob der Uhrenmacher über entsprechenden Versicherungsschutz verfügt und hier Entschädigung zu erlangen.

Aus diesem Grunde erübrigt es sich auch, darüber zu sinnieren:

Zitat

Kann es ernst gemeint sein, dass das gesamte Kundeneigentum, welches in einem Uhrengeschäft zur Reparatur liegt, nur mit einem Betrag von insg. 2045,20 Euro versichert ist?

Der Uhrenmacher ist nicht verpflichtet, ausreichenden Versicherungsschutz zu besorgen.

Nachdem der Inhaltsversicherer des Uhrenmachers jedoch bestätigt hat, dass hier keine weitere Entschädigungsleistung erbracht werden kann, wäre der Fall nun abschließend durch die eigene Hausratversicherung zu bearbeiten.

Hierzu muss man jedoch wissen, dass die Außenversicherung nur für Sachen gilt, die sich vorübergehend außerhalb des Versicherungsortes befunden haben.

Was als "vorrübergehend" gilt, definieren die Versicherer abweichend und ist in den Bedingungen nachzulesen. Der eine Versicherer legt hier einen Zeitraum fest von 3 Monaten, ein anderer von 6 Monaten, wiederum andere können 12 Monate definiert haben.

Hieran entscheidet sich nun, ob der Hausratversicherer zur Leistung verpflichtet ist.

Wenn ja, dann ist der Neuwert der Sache entscheidend, sofern die Sache noch in Nutzung ist (und nicht nur irgendwie darumgelegen hat). Dass die Sache in Nutzung ist, ist m.E. dadurch hinreichend erwiesen, dass Ihre Mutter diese zur Reparatur gebracht hat. Eine Sache, die man nicht nutzt, lässt man auch nicht reparieren.

Der Neuwert einer Sache bemisst sich daran, welcher Betrag aufzuwenden ist, eine nach Art und Güte vergleichbare Sache in neuwertigem Zustand zu erwerben. Der Kaufpreis von vor 30 Jahren ist für den konkreten Fall ebenso bedeutungslos wie Farbe der Handtasche Ihrer Mutter.

Um den Neuwert zu bestimmen, wäre es von Vorteil, Fabrikat und Typ der Taschenuhr zu kennen. Anhand dessen wird man einen Sachverständigen finden, der den Neuwert entsprechend nachweisbar beziffern kann. Jedenfalls haben Sie in diesem Fall eine Summe, die Sie als Anspruch an den Hausratversicherer formulieren können.

Ohne Kenntnis des Herstellers und Typs sind Sie auf das Wohlwollen des Versicherers angewiesen. Denn bei privaten Verträgen, wozu Versicherungsverträge gehören, ist es Voraussetzung, zweifelsfrei nachzuweisen, dass der Anspruch in dieser Höhe auch besteht.

Dies schließt mit ein, dass Sie nachweisen können, dass Sie eine Uhr des beschriebenen Typs dem Uhrenmacher zur Reparatur übergeben haben und exakt diese Uhr auch vom Diebstahl betroffen war. Dies vermag er dann sicherlich, zu bestätigen (bei der Polizei musste er eine Stehlgutliste hinterlegen). Wenn er das nicht will oder kann, haben Sie ein Nachweis-Problem. Und was Sie nicht nachweisen können, können Sie auch nicht beanspruchen.



Antwort zu Ihren Fragen nach B: Sicht der Haftpflicht

Eines vorweg: Der Uhrenmacher wird keine Deckung aus einer eventuell bestehenden Haftpflichtversicherung für Abhandenkommen von Kundeneigentum, insbesondere nicht durch Diebstahl, haben.

Dennoch könnte es sich lohnen, darüber nachzudenken, ob der Uhrenmacher aus der Inobhutnahme der Uhr für das Abhandenkommen durch Einbruchdiebstahl haftbar gemacht werden kann. Da ich kein Jurist bin, kann ich diesen Aspekt nicht abschließend bearbeiten.

Wenn Sie ihn also aus diesem Aspekt in Anspruch nehmen wollen, gestaltet sich ein Wertnachweis ganz anders:

1.) müssen Sie nachweisen, dass Sie dem Uhrenmacher eine Uhr gewissen Typs übergeben haben und welchen Zustand diese Uhr hatte, den Defekt beschreiben können

2.) müssen Sie nachweisen, dass den Uhrenmacher eine Verantwortlichkeit für den Einbruch-Diebstahl trifft (hier bitte einen Juristen befragen, ob hier eine Erfolgsaussicht besteht)

3.) Anhand Hersteller, Typ, Alter sowie Zustand (welcher Defekt?) wird ein Sachverständiger einen Zeitwert ermitteln können. Zeitwert ist hier der Preis, den Ihre Mutter bei Verkauf der Uhr in eben diesem defekten Zustand erhalten hätte. Sachverständiger kann ein anderer Uhrenmacher sein, oder wer auch immer den Sachverstand hat und sich mit Werten solcher Artikel auskennt.

Ob es sich lohnt, diesen Weg zu beschreiten, überlasse ich Ihrer eigenen Beurteilung.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die verschiedenen Aspekte aufzeigen und Ihre Fragen beantworten, wenn auch indirekt.


Ich schreibe hier als Privatperson. Versicherung ist auch mein Hobby 8o
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Mittwoch, 23. November 2016, 21:09

Hallo und vielen Dank für eure Antworten! Also der Versicherer des Uhrmachers kommuniziert durchaus mit uns bzw. meiner Mutter (immerhin); sie haben sich ja sogar für verspätete Antwort entschuldigt. Nur halten sie eben die Summe für zu hoch. Die Frage ist, wie sie das einschätzen wollen, wenn die Uhr eben nicht mehr vorhanden ist. Der Abholschein des Uhrmachers enthält nur eine lfd. Nummer und seinen Stempel.

Der Knackpunkt ist und bleibt also die Wertbestimmung. Die "Direkthaftung" fällt damit wohl weg, von dem zu erwartenden Aufwand mal abgesehen. Ich habe jetzt ein Foto gemacht von den "Resten" und bleibe mangels sonstiger Idee erstmal bei dem Betrag, den meine Mutter angegeben hat. Fragt sich nur, was von gut 2000 Euro noch übrig sein soll, wenn die durch sämtliche Kunden geteilt werden. Aber das werden wir ja dann erfahren. (Ach so: Der Versicherer des Uhrenfritzen sagt nicht, dass er gar keine Leistung erbringen will, sondern eben, dass schon andere Kunden entschädigt wurden.)

Noch eine Nachfrage: Da nun die Leistung durch Versicherer A begrenzt ist (auf welche Höhe auch immer): Sollte die Hausratversicherung dann ggf. den Rest übernehmen, oder geht nur das eine oder das andere?

Gruß, hirsebrei

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »hirsebrei« (23. November 2016, 21:27)


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