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Dienstag, 2. August 2016, 10:20

Progressives Steuersystem

Hallo zusammen,

Ich habe eine Anfängerfrage. Ich habe erst vor einigen Monaten angefangen zu arbeiten und versuche mich nun das deutsche Steuersystem zu verstehen. Für mich ist das auf Anhieb nicht ganz einfach/nochvollziehbar. Bei den Quellen die ich im Inernet finde (z.B. Bundeszentrale für politische Bildung) tauchen Rückfragen auf, deshalb versuche ich diese hier mal zu stellen. Ich habe z.B. Folgendes gelesen:

"Ein Beispiel für einen Single: Die ersten 8130
Euro seines zu versteuernden Jahreseinkommens tastet der Staat nicht an
(für Verheiratete ist es doppelt so viel). Der Steuersatz darauf
beträgt also null Prozent. Um das deutsche Steuersystem zu verstehen,
ist es wichtig zu wissen, dass diese 8130
Euro immer unangetastet bleiben, also auch bei einem Bürger, der
Millionen verdient. Erst ein Einkommen, das darüber liegt, wird
besteuert, und zwar mit dem Eingangssteuersatz von 14 Prozent. Danach steigt der Steuersatz linear an."

Dies spiegelt sich in meiner monatlichen Lohnabrechnung nicht wider. Dort wurde von Anfang an ein konstant bleibender Betrag für Lohnsteuer abgezogen. Müssten nicht nach dieser Theorie die ausgewiesenen Lohnsteuerabzüge die ersten 2-3 Monate in jedem Jahr 0,00% betragen, solange bis die 8130€ überschritten sind und dann 14% und ab da an ansteigen, sodass ich am Jahresende deutlich mehr Lohnsteuerabzüge auf meinem Gehaltszettel stehen habe als am Jahresanfang?

Beiträge: 235

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2

Dienstag, 2. August 2016, 19:59

Ein Beispiel für einen Single: Die ersten 8130
Euro seines zu versteuernden Jahreseinkommens :!: tastet der Staat nicht an
Hallo !

Ihr Gedankengang ist dahingehend falsch , als das bei einer Berechnung der Lohnsteuer grundsätzlich erst einmal die jeweilig relevante Lohnsteuer incl. Solidaritätszuschlag lt. gültiger Steuertabelle
einbehalten wird und der Freibetrag nicht "aufgebraucht" wird.

Die Bereinigung erfolgt über den Lohnsteuerjahresausgleich .

Um ein wenn auch stark vereinfachtes Beispiel zu nennen : Verdienen Sie beispielhaft 3 Monate lang ein Bruttogehalt von 2500 € und den Rest des Jahres gar nichts mehr ( also keinerlei weitere Einkünfte),
so wird zwar die Lohnsteuer monatlich vorerst abgezogen , aber durch den Lohnsteuerjahresausgleich würde in diesem Fall die einbehaltene Lohnsteuer wieder erstattet werden , da das Jahreseinkommen unter 8130 € liegt.

Viele Grüße

Barmer

Versicherungsberater

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3

Dienstag, 2. August 2016, 23:09

.. und die Steuertabelle ist so berechnet, als würde das Einkommen des Monats das ganze Jahr lang bezogen. Anders geht es gar nicht, denn ein Arbeitgeber weiß ja gar nicht, ob vorher oder nachher schon / noch gearbeitet wurde bzw. wird.

Erst über den Lohnsteuerjahresausgleich (der so schon lange nicht mehr heißt) wird das korrigiert. Aber nur wenn man sich kümmert.

Viel Glück

Barmer

4

Mittwoch, 3. August 2016, 08:16


Erst über den Lohnsteuerjahresausgleich (der so schon lange nicht mehr heißt)


Habe ich was verpasst?
Sämtliche Antworten, Aussagen und E-Mails werden von mir als Privatperson getätigt und sind ohne jegliches gewerbliches/berufliches Interesse und ohne Anspruch auf Richtigkeit!
http://www.lamers-gmbh.eu/ http://www.lamers-gmbh.de/ https://www.debeka.de/svb/butzbach/index.html

5

Mittwoch, 3. August 2016, 11:28

Hallo,

Vielen Dank für die Antworten.
Ich weiß, das ist jetzt eine etwas kindliche/naive Frage und Sie werden sicher sagen "so ist halt unser Steuersystem", aber ist das nicht unlogisch? Wäre es nicht viel logischer, direkt jeden Monat die Steuer abzuführen, die tatsächlich angefallen ist, kumuliert auf den bisherigen Erwerb im entsprechenden Geschäftsjahr?
So bedeutet das ja, dass man "vorauszahlt" und am Ende wird eigentlich erst die tatsächliche Rechnung aufgestellt, aber auch nur, wenn man sich "kümmert".

Das klingt für mich nach einem unnötigen Arbeitsschritt und damit unnötiger Bürokratie, außerdem liegt der Verdacht nahe, dass der deutschen Politik hier nicht an einer Reduzierung der Bürokratie gelegen ist, da es bestimmt genügend Leute gibt, die sich nicht darum kümmern und somit Überschüsse für den Staatshaushalt übrig bleiben.

6

Mittwoch, 3. August 2016, 11:41

Hallo,

Vielen Dank für die Antworten.
Ich weiß, das ist jetzt eine etwas kindliche/naive Frage und Sie werden sicher sagen "so ist halt unser Steuersystem", aber ist das nicht unlogisch? Wäre es nicht viel logischer, direkt jeden Monat die Steuer abzuführen, die tatsächlich angefallen ist, kumuliert auf den bisherigen Erwerb im entsprechenden Geschäftsjahr?


Dann spielen wir das mal durch:

Januar + Februar bei 3000€ Einkommen keine Lohnsteuer, da man den Grundfreibetrag unterschritten hat.

März bei 3000€ (wir übersteigen den Grundfreibetrag nun um rund 800€) 100€ Steuern --> 2900 Netto

April 3000€ dank progressive Steuer auf die vollen 3000€ von 400€ --> 2600 Netto

Mai 3.000€ - nun merken wir, das progressiv steigenden bedeutet 450€ --> 2550€ Netto

Dezember 3.000€ jetzt schreien wir bereits über das ungerechter Steuersystem, da mit Soli und Kirchensteuer rund 40% für die Steuer draufgehen --> nur noch 1800€ netto. Zum Glück ist ja bald Januar...

Davon bitte noch rund 20 % Sozialversicherungen abziehen und schwubs, hat die selber Person, die im Januar noch 2400€ überweisen bekommen hat kurz vor Weihnachten gerade mal die Hälfte mit 1200€.



So bedeutet das ja, dass man "vorauszahlt" und am Ende wird eigentlich erst die tatsächliche Rechnung aufgestellt, aber auch nur, wenn man sich "kümmert".


In der Regel macht das der Arbeitgeber mit den Lohnsteuerjahresausgleich mit den Dezemberbezügen automatisch. Wer mehr abzusetzen Kosten hat oder auch andere Einkunftsarten hat, macht das dann über die Steuererklärung.


Das klingt für mich nach einem unnötigen Arbeitsschritt und damit unnötiger Bürokratie, außerdem liegt der Verdacht nahe, dass der deutschen Politik hier nicht an einer Reduzierung der Bürokratie gelegen ist, da es bestimmt genügend Leute gibt, die sich nicht darum kümmern und somit Überschüsse für den Staatshaushalt übrig bleiben.


Na dann...

Wie gesagt, das hier ist ein Versicherungsforum.
Sämtliche Antworten, Aussagen und E-Mails werden von mir als Privatperson getätigt und sind ohne jegliches gewerbliches/berufliches Interesse und ohne Anspruch auf Richtigkeit!
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Barmer

Versicherungsberater

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7

Mittwoch, 3. August 2016, 23:03

Habe ich was verpasst?
Es gibt natürlich immer noch den Lohnsteuerjahresausgleich, den ein Arbeitgeber für seinen Arbeitnehmer, der das ganze Jahr bei ihm und nur bei im gearbeitet hat, macht.

Früher stand der Begriff aber auch für den Einkommensteuerbescheid eines Arbeitnehmers, die Einkommensteuererklärung hieß demzufolge AntraG auf Lohnsteuerjahresausgleich. Hier gibt es die Begriffe offiziell nicht mehr.

Gruß

Barmer

8

Mittwoch, 3. August 2016, 23:41

Das erklärt dann auch,warum einige Leute die Begriffe munter durcheinanderbringen :-)
Sämtliche Antworten, Aussagen und E-Mails werden von mir als Privatperson getätigt und sind ohne jegliches gewerbliches/berufliches Interesse und ohne Anspruch auf Richtigkeit!
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Peter Wolnitza

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9

Donnerstag, 4. August 2016, 10:06

Das Deutsche Steuersystem...

Passend zum Thema ... gestern beim Entrümpeln einer alten Festplatte gefunden...Achtung: Ein bisserl anstrengend...

Das deutsche Steuersystem


Es waren einmal 10 Männer, die jeden Tag miteinander zum Essen gingen.
Die Rechnung für alle zusammen betrug jeden Tag genau 100 € .
Die Gäste zahlten ihre Rechnung wie wir unsere Steuern, und das sah ungefähr so aus:
Vier Gäste ( die Ärmsten ) zahlten nichts. Der Fünfte zahlte 1 € .
Der Sechste 3 € . der Siebte 7 € . Der Achte 12 € . Der Neunte 18 € .
Der Zehnte ( der Reichtste ) zahlte 59 € . Das ging eine ganze Zeitlang gut.
Jeden Tag kamen sie zum Essen und alle waren zufrieden.

Bis der Wirt Unruhe in das Arrrangement brachte, indem er vorschlug, den Preis für das Essen um 20 € zu reduzieren. Wie nett von ihm !

Jetzt kostete das Essen für alle 10 Männer nur noch 80 € .
Aber die Gruppe wollte unbedingt weiter so zahlen, sie sie besteuert werden.
Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin umsonst. Wie aber sah es mit den restlichen sechs aus ?
Wie konnten sie 20 € Ersparnis so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte ?
Die sechs stellten schnell fest, dass 20 € geteilt durch sechs Zahler 3,33 € ergibt.
Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekämen der Fünfte und der Sechste noch Geld dafür, dass sie überhaupt zum Essen gehen.
Also schlug der Wirt den Gästen vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte, wie er beisteuerte. Heraus kam dabei folgendes:
Der fünfte Gast zahlte ab sofort nichts mehr ( 100 % Ersparnis ) .
Der Sechste zahlte 2 € statt 3 € ( 33 % Ersparnis ) .
Der Siebte zahlte 5 € statt 7 € ( 28 % Ersparnis ) .
Der Achte zahlte 9 € statt 12 € ( 25 % Ersparnis ) .
Der Neunte zahlte 14 € statt 18 € ( 22 % Ersparnis ) .
Der Zehnte ( der Reichste ) zahlte 49 € statt 59 € ( 16 % Ersparnis ) .

Jeder der sechs kam günstiger weg als vorher und die ersten vier aßen immer noch kostenlos.

Aber als sie vor der Wirtschaft noch einmal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal, wie sie dachten.
„ Ich habe nur 1 € von den 20 € bekommen !“, sagte der Sechste und zeigte auf den Zehnten, den Reichen, aber er kriegt 10 € ! „ Stimmt „ rief der Fünfte.
„ Ich habe nur 1 € gespart und er spart zehnmal soviel sie ich.“ „Wie wahr !“ rief der Siebte.
„Warum kriegt der 10 € zurück und ich nur 2 ? Alles kriegen mal wieder die Reichen !“
„Moment mal“, riefen da die ersten Vier aus einem Munde. „Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus !“

Und wie aus heiterem Himmel gingen die Neun gemeinsam auf den Zehnten los und verprügelten ihn.

Am nächsten Tag tauchte der zehnte Gast nicht zum Essen auf. Also setzten die übrigen 9 sich zusammen und aßen ohne ihn.
Aber als es an der Zeit war die Rechnung zu bezahlen, stellten Sie etwas Außerordentliches fets:

Alle zusammen hatten nicht genügend Geld, um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können.
Peter Wolnitza
Makler für BU, PKV, Altersvorsorge
Zert_FP (FH Frankfurt)
Tel . : 06187 - 90 29 89
www.wolnitza.de
info@wolnitza.de

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