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Freitag, 21. Februar 2014, 16:14

Sturz vom Pferd - Wofür zahlt eine Pferdehaftpflichtversicherung?

Hallo,

wer kann hier Tipps geben?

Ich habe kürzlich ein Pferd gegen eine Tagespauschale verliehen bekommen. Nach immerhin 17 Jahren ohne Sturz und über 21 Jahren Erfahrung mit eigenen Pferden, habe ich an diesem Tag einen heftigen Abgang gemacht. Warum das Pferd so extrem reagiert hat, weiß keiner. Meine Reitbegleitung und ich wollten auf unserem Ritt eine Pause einlegen. Nachdem meine Reitbegleitung abgestiegen war, bat ich sie, bei meinem Sattel gegenzuhalten. Sie hatte auch noch die Zügel in der Hand (mehr Sicherheit geht nicht!). Und, dann, ich hatte gerade meinen rechten Fuß aus dem Steigbügel und das Bein irgendwie in der Luft, erschrak sich mein Pferd und sprang heftig nach vorne weg. Ich hatte keine Chance und schoss regelrecht nach hinten. Zum Glück hatte ich - wie immer - eine Kappe auf. So stellte man im Krankenhaus „nur“ ein
Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades fest. Außerdem hat meine Schulter eine Menge abbekommen und es besteht der Verdacht auf Rippenfrakturen.



Gehört die Reaktion des Pferdes nun zu einer "höheren Gewalt"? So wie das Pferd reagiert hat, war das eigentlich typisch "Fluchttier"! Kann jemand etwa dafür belangt werden? Wir wissen wirklich nicht, warum das Pferd scheute und wie es zu der (Über-)Reaktion kam. Vielleicht war es einfach nur ein Vogel?!



Greift in o.a. Fall evt. die Pferdehaftpflichtversicherung? Wofür würde sie zahlen?



Vielen Dank für Gedanken und Anregungen im Voraus.

pas-ko

V.I.P.

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2

Freitag, 21. Februar 2014, 20:56

Zitat

Vielleicht war es einfach nur ein Vogel?!


ja... eine Meise wahrscheinlich... :D



Zitat

Nach immerhin 17 Jahren ohne Sturz und über 21 Jahren Erfahrung mit eigenen Pferden, habe ich an diesem Tag einen heftigen Abgang gemacht.


tja... so sind Tiere halt... unberechenbar. Das weiß aus der Gesetzgeber und hat daher die §§ 833 und 834 BGB erschaffen. Und damit in Stein gemeißelt, dass Tiere eine Gefährdung der Allgemeinheit darstellen und der Tierhalter grundsätzlich für diese Gefahr verschuldensunabhängig haftet... mit Ausnahme:


Zitat

Ich habe kürzlich ein Pferd gegen eine Tagespauschale verliehen bekommen.


Hier dürfte es sich wohl um die Haftung des Tierhalters nach §833 II BGB handeln, Regelung nach Nutztier. Haftung aus vermutetem Verschulden und nicht aus Gefährdung.



Zitat

Greift in o.a. Fall evt. die Pferdehaftpflichtversicherung?


Sofern Ansprüche mitversicherter Personen untereinander mitversichert gelten, insbesondere bei Personenschäden (und diesen Umstand kann ich ohne Papier nicht klären), ja, dann "greift" diese Haftpflichtversicherung, sofern Sie dem Tierhalter gehörte.

Ansonsten halt nicht.

"Greifen" im Sinne von: Es besteht Versicherungsschutz. Der Tierhalter ist versichert für Haftpflichtansprüche privatrechtlichen Inhalts, die sich aus der Haltung (sowie der Nutzung, dem Gebrauch) des Tieres ergeben.

Du warst ja der Hüter des Tieres und insofern vermutlich mitversicherte Person des zugrunde liegenden Haftpflichtvertrages.


Zitat

Wofür würde sie zahlen?


Im engeren Sinne: für berechtige Ansprüche Geschädigter versicherten Personen gegenüber (Versicherungsnehmer = Halter; Entleiher = Hüter)

Im Weiteren Sinne lautet die Frage: Was ist eigentlich versichert? Also Gegenstand dieser Versicherung? Und die Antwort darauf (wie immer):

Gegenstand einer Haftpflichtversicherung sind:
a) Prüfung der Ansprüche
b) Abwehr unbegründeter Ansprüche
c) Befriedigung (und hier haben wir den Tatbestand des ZAHLENS) berechtigter Ansprüche gegen Tierhalter (= Verleiher) sowie Tierhüter (= Entleiher)

(By the Way: Ich komme nicht darauf, warum ein Versicherer immer auf die Funktion eines Geldgebers reduziert wird... Es gibt viele Leistungen zu erbringen, die nicht in Form von Geld erbracht werden...)


Im Ergebnis komme ich, sofern die hier genannten Umstände ALLES an Fakten darstellen, die hier vorliegen, zu folgender Schlussfolgerung:

- der Tierhalter hat ein Tier vermietet; damit liegen die Haftungsgrundlagen des NUTZ-Tierhalters vor, also verschuldensabhängige Haftung
- ein Verschulden des Tierhalters für den Schaden am Entleiher = Tierhüter ist nicht darstellbar
- sofern Ansprüche mitversicherter Personen mitversichert gelten, erbringt die Versicherungsgesellschaft ihre dem Versicherungsnehmer gegenüber vertraglich geschuldete Leistung und kommt nach Prüfung des Fall vermutlich zu dem Ergebnis, dass keine Haftung des Tierhalters für die Schäden am Tierhüter besteht
- der Versicherer wehrt Deine Ansprüche ab

- möglicherweise ist der Versicherer dem Teilungsabkommen mit den Sozialversicherungsträgern beigetreten und trägt daher, ohne Kenntnis des Versicherungsnehmers sowie des Anspruchstellers, die Hälfte Deiner Behandlungskosten, und zwar verschuldensunabhängig. (sofern Ansprüche Mitversicherter untereinander versichert gelten, wie schon gesagt...)


N8


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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »pas-ko« (21. Februar 2014, 20:59)


K-Guru

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3

Freitag, 21. Februar 2014, 21:45

Hallo,

ich hab mich nun auch mal damit beschäftigt. Auf Basis der Ausführungen der Rechtsanwälte Dirk Löber & Torsten Sonneborn (siehe hier) bin ich zu dem Schlusß gekommen, dass Du als Reiter ein Mitverschulden i.S.d. §254 BGB anrechen lassen musst.

SIcherheit wird Dir nur ein Rechtsbeistand bringen. Die Haftung bei Pferdeunfällen ist meiner bescheidenen Meinung nach sehr komplex.

Zitat

4.
Mitverschulden

Der auf Schadensersatz in Anspruch genommene Pferdehalter kann sich unter Umständen auf ein Mitverschulden des Geschädigten oder eines Dritten berufen und damit die Folgen seiner eigenen Haftung mildern.

a) Mitverschulden des Geschädigten
Trifft den Geschädigten ein Mitverschulden, so führt dies nach Maßgabe des § 254 BGB zu einer Beschränkung der Haftung, und zwar in der Form, dass ein eingetretener Sachschaden vom Halter beispielsweise nur teilweise zu ersetzen ist. Der häufigste Fall ist das Auftreten eines Reitfehlers des geschädigten Reiters. Dabei muss der Reiter, der die Obhut über das Pferd übernommen hat, die Vermutung gegen sich gelten lassen, dass ihn ein Verschulden trifft und dieses Verschulden für den Schaden ursächlich geworden ist. Es obliegt infolgedessen dem Geschädigten,diese Verschuldensvermutung zu widerlegen. Im Falle eines Reitunfalls mit einem aus reiner Gefälligkeit überlassenen Pferd kann demnach eine Haftung des Tierhalters wegen ein es überwiegenden Mitverschuldens des Reiters entfallen. Daraus folgt, dass der Geschädigte, dem ein Reitpferd aus Gefälligkeit überlassen worden ist, regelmäßig die Hälfte seines Schadens selbst zu tragen hat, wenn sich nicht aufklären lässt, ob sein eigenes Verhalten zur schadensstiftenden Reaktion des Pferdes geführt hat oder sich die typische Tiergefahr verwirklicht hat.

Von der Rechtsprechung wird gemäß diesen Regeln ein Mitverschulden des Reiters schon dann bejaht, wenn dieser auf einem unbekannten, jungen Pferd Schlaufzügel verwendet, ohne zu wissen, ob das Pferd auch Schlaufzügel gewohnt ist. Ein Fall des Mitverschuldens liegt weiterhin vor, wenn ein erfahrener Reiter mit einem zu geringen Sicherheitsabstand an der Hinterhand eines austretenden Pferdes
vorbeigeht oder sich ohne Not einem fremden Pferd so weit nähert, dass er den Angriffs- und Verteidigungsbewegungen des Pferdes ausgesetzt ist.


Im Rahmen einer Mitverschuldensprüfung ist immer abzuwägen, wie schwerwiegend das Verschulden des Mitverursachers wiegt. Liegt im Einzelfall ein überwiegendes Verschulden des Geschädigten an dem Schaden vor, kann dahinter die Haftung des Tierhalters mitunter sogar vollständig zurücktreten. Insoweit gelten ähnliche Regelungen wie im Straßenverkehr: Die Verletzung eines Reiters durch den Hufschlag eines
voran gerittenen Pferdes begründet den Vorwurf eines derart groben Eigenverschuldens wegen Nichteinhalten des erforderlichen Sicherheitsabstandes, dass die Tierhalterhaftung gänzlich ausscheidet.


Freundliche Grüße

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pas-ko

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4

Freitag, 21. Februar 2014, 22:03

Hi,

Dem Entleiher = TE = Geschaefigtem wurde das Pferd nicht aus Reiner Gefälligkeit, sondern gegen Entgelt überlassen.


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K-Guru

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5

Samstag, 22. Februar 2014, 07:14

Das Beispiel des unentgeltlich überlassenen Pferdes ist wirklich nur beispielhaft zu verstehen.

Das Mitverschulden steht m.E. immer im Raum, wenn das Pferde einem anderen überlassen wurde (außer Lehrstunde).
Freundliche Grüße

K - GURU

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