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Montag, 24. März 2014, 15:22

Versicherung will nicht zahlen

Hallo,
vor etwas über einem Monat hatten wir einen Schaden in der Küche. Meiner Mutter ist beim Verstauen eines Mixers im Oberschrank dieser aus der Hand gerutscht und auf die Arbeitsplatte gefallen. Diese ist nun beschädigt und auch ein bisschen Geschirr, das noch auf der Arbeitsfläche stand. Wir haben eine Hergangsbeschreibung, Fotos und genaue Bezeichnungen der kaputten Gegenstände zur Versicherung geschickt. Von der habe ich nun die Antwort erhalten, dass sie zum Einen, einen Zeitwertschaden von 80€ für das kaputte Geschirr zahlen, was jedoch weniger gekostet hat. Zum Anderen wollen sie für die Arbeitsplatte nur 100€ zahlen, weil der Schaden nur gering und daher nicht als ersatzpflichtig anzuerkennen wäre. Laut Kostenvoranschlag soll eine neue Platte mit Aus- und Einbau ca. 900€ kosten.
Was kann ich tun? Wer ist im Recht? Sollte ich einen Widerspruch einlegen?
Vielleicht kann mir hier ja jemand vom Fach weiterhelfen.
Vielen Dank schon mal und VG
Anna

K-Guru

Master Chief Inspector of K - Affaires

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2

Montag, 24. März 2014, 17:25

Hey Anna,

grundsätzlich ist eine Haftpflichtversicherung dazu da den Versicherungsnehmer (hier Deine Mutter) von Schadenersatzansprüchen freizustellen, dies meint, dass sofern ein Schadensersatzanspruch gegen Deine Mutter besteht, die Versicherung diesen ausgleicht.

Versicherungsschutz besteht in der Haftpflichtversicherung (aus Sicht eben Deiner Mutter) insofern, als dass der Haftpflichtversicherer
  • die Haftung prüft
  • Schadenersatzforderungen begleicht
  • Schadenersatzforderung abwehrt (notfalls gerichtlich)
Nun stellt sich Frage, ob und ich welchem Umfang Deine Mutter haftet bzw. Du einen Schadenersatzanspruch hast. In diesem Zusammenhang wird § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches maßgeblich sein. Dies sah anscheinend auch der Versicherer so, denn sonst hätte er eine Haftung nicht anerkannt / anerkennen dürfen.

Bereicherungsrechtlich ist aber zu beachten, dass Du natürlich nur anrecht auf den Zeitwert hast, da Du Dich ja sonst bereichern würdest (Stichwort Alt für Neu). Dies ist regelmäßig insbesondere bei Schäden von elektrischen Geräten (Fernseher, Handy, Notebook, etc..) problematisch, da diese einem hohen Wertverfall innerhalb kürzester Zeit unterliegen.

Insofern kann hier nun abschließend als Fazit gezogen werden, dass die Versicherung die Haftung anerkannt und Schadenersatz in benannter Höhe leisten will. In wie weit die Höhe angemessen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Fest steht aber auf jeden Fall, dass Du eben auf Grund eines Teilschadens an einer Sache (Arbeitsplatte), die dazu noch ein gewisses Alter hat, eben keine komplette neue Arbeitsplatte bezahlt bekommst. Oder andersherum: Sei der Neuwert der Platte 1000€ und der Zeitwert der Platte 500€ und der Restwert nach Schaden 300€, so beträgt Dein tatsächlicher Schadenersatz lediglich und maximal 200€; ist eine Reparatur günstiger möglich, dann beläuft sich Dein Anspruch auf die Reparaturkosten.
Bei Fragen, fragen.
Freundliche Grüße

K - GURU

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pas-ko

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3

Montag, 24. März 2014, 19:18

K-Guru hat ja schon nachvollziehbar erklärt, dass es weniger der mangelnde Wille zur Zahlung ist, als vielmehr die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Im Übrigen will die Versicherungsgesellschaft ja zahlen. Beim Thema Haftpflicht kommt es regelmäßig zu Diskussionen zwischen Anspruchsteller, Schädiger und Versicherer.

Zitat

Zum Anderen wollen sie für die Arbeitsplatte nur 100€ zahlen, weil der Schaden nur gering und daher nicht als ersatzpflichtig anzuerkennen wäre.


Nun, die Aussage für sich betrachtet revidiert sich ja selbst. Auch ein geringer Schaden ist anzuerkennen, wenn er denn da ist.

Wie K-Guru schon geschrieben hat, bildet der Zeitwert der Arbeitsplatte die Obergrenze für eine Entschädigungsleistung. Sollte der Zeitwert aufgrund Alter und gewöhnliche Abschreibung gleich Null sein, kommt noch der Gebrauchswert in Betracht. Setzen Sie diesen mal mit 10% der Kosten für eine neue Arbeitsplatte an. Die Arbeitsplatte auf Kosten des Schädigers auszutauschen, das ist leider wirklich nicht drin.

Was fehlt, um objektive Aussagen zur anrechenbaren Schadenhöhe zu treffen, sind

a) Fachverstand für das Thema Arbeitsplatten und Bemessung des Zeitwertes sowie Berechnung der Austauschkosten - hier müsste ein Schreiner ran
b) Kenntnis über das Schadenausmaß an sich (Bebilderung...)

Ob es sich nun lohnt, ein Gutachten anfertigen zu lassen (auch auf die Kosten zur Schadenfeststellung haben Sie einen Erstattungsanspruch), auch das können wir nicht beurteilen. Möglicherweise kommt ein Gutachter zum gleichen Ergebnis, wie die Schadenbearbeitung selbst - und dann wird es eher schwer, diese Kosten erstattet zu bekommen.

Zur Haftungsfrage sollte auch berücksichtigt werden: Warum hat Ihre Mutter einen Mixer verstauen wollen? Lag eine Gefälligkeitshandlung vor, weil Sie Ihre Mutter etwa darum gebeten haben?

Dazu sollte man wissen, dass der um eine Gefälligkeit Bittende die einfache Fahrlässigkeit des Gefälligkeit Leistenden billigend in Kauf nimmt, soll heißen, ein Schadenersatzanspruch (rechtlich gesehen) in dieser Konstellation verneint wird - und somit eigentlich überhaupt keine Entschädigungsleistung von der Privat-Haftpflichtversicherung Ihrer Mutter zu erwarten wäre - der Anspruch wäre dann eigentlich abzulehnen.

In diesem Punkt stimme ich mit K-Guru nicht überein - der Versicherer könnte aufgrund der Geringfüigkeit zu dem Entschluss gekommen zu sein, dass es günstiger ist, einen Schadenersatz von ungefähr 200 EUR zu leisten, als den Anspruch als unbegründet abzuwehren.

Es gibt also ausreichend Momente, die dafür sprechen, sich nicht weiter mit der Angelegenheit zu befassen und die Entschädigungsleistung anzunehmen, wie angeboten.

Alles andere könnte - ohne ausreichender Möglichkeit zur Würdigung der konkreten Umstände - mit Kanonen auf Spatzen geschossen sein.

Ist leider so. oder Gott sei Dank.

Man stelle sich mal vor, man hätte Anspruch auf Neuwertersatz... das würde auch bedeuten, mein Auto ist 28 Jahre alt, total verrostet und kommt nicht über den nächsten Tüv. Und nun hat man das Glück, dass einem jemand in diesen Seelenverkäufer rauscht --> Juhuu! Entsorgungskosten werden übernommen!

Ach nee, auf Kosten des Schädigers erhalte ich jetzt ein flammneues Fahrzeug... Nun, das wäre auch nicht zielführend.

Man hat sich schon etwas dabei gedacht, die Schadenersatzpflicht des Schädigers auf den Zeitwert zu begrenzen, auch, wenn es häufig zu Diskussionen führt.


Ich schreibe hier als Privatperson. Versicherung ist auch mein Hobby 8o
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K-Guru

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4

Dienstag, 25. März 2014, 17:38

Ach nee, auf Kosten des Schädigers erhalte ich jetzt ein flammneues Fahrzeug... Nun, das wäre auch nicht zielführend.
Hätte doch was; sag Bescheid wenn sich an der Rechtssprechcung was ändert.
Dann mache ich Import-Unternehmen auf.
Geschäftszweck: Import aller Fzg. unter 100€ die gerade so noch fahren :-)
Freundliche Grüße

K - GURU

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Mittwoch, 26. März 2014, 15:03

Dank und aktueller Stand

Hallo,
vielen Dank für eure Antworten! Leider steige ich nur halb durch, weil ich mich in der Materie überhaupt nicht auskenne. Aktueller Stand: Meine Mutter hat noch mal Rücksprache mit ihrem Versicherungsvertreter vor Ort gehalten und der war ganz verblüfft, warum die Versicherung nicht alles übernehmen will. Er kümmert sich jetzt jedenfalls drum.
VG Anna

pas-ko

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6

Mittwoch, 26. März 2014, 15:05

Zitat

Rücksprache mit ihrem Versicherungsvertreter vor Ort gehalten und der war ganz verblüfft, warum die Versicherung nicht alles übernehmen will.


Dessen Verblüffung liegt wohl in der Ermangelung der notwendigen Kenntnisse...


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K-Guru

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7

Mittwoch, 26. März 2014, 16:15

Dessen Verblüffung liegt wohl in der Ermangelung der notwendigen Kenntnisse...
// sign

Nachfrage:
1. Was hast Du nicht verstanden? Dann können wir ggf. nochmal anderes erklären.
2. Doofe Frage: Hast Du mal bei Versicherer angerufen und nachgefragt? Musst ja nicht glauben, was der Schadenregulierer sagt aber zumindest hast Du dann nochmal eine verbale Erläuterung anstatt rechtlich (für Laien) kriptische Regulierungsschreiben zu lesen... ??? ...
3. Such Dir einen anderer Vertreter. Wenn dieser nicht weiß, dass das Deutsche Recht nur eine Zeitwertentschädigung vorsieht, möchte ich definitiv nicht wissen, was er Euch für Versicherungsprodukte - böse ausgedruckt - angedreht hat.
Freundliche Grüße

K - GURU

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Donnerstag, 3. April 2014, 21:39

Herzlichen Dank noch einmal für die vielen Antworten!

Zum Status: Die Versicherung hat nun nach einigem Hin und Her mündlich zugestimmt den Schaden laut Kostenvoranschlag eines Tischlers zu übernehmen. Auf eine angefragte schriftliche Antwort warte ich noch. Ich frage mich, warum es nun plötzlich trotzdem klappen soll, obwohl sich die Versicherung anfangs scheinbar billig frei kaufen wollte. Die Arbeitsplatte ist übrigens fast neu (knapp ein Jahr alt) und hat bis auf die entstandene Beschädigung keine Gebrauchsspuren.

Für mich stellt sich nun noch die Frage, ob ich den Schaden tatsächlich auch vom Tischler reparieren lassen muss, oder ob hier auch eine entsprechende fiktive Abrechnung (Auszahlung des Betrages des Kostenvoranschlags -19% MwSt,) möglich wäre. Hintergrund ist, dass mein Ehemann die Arbeitsplatte auch selbst tauschen könnte. Hierdurch würde sich die Versicherung ja die Mehrwertsteuer sparen und wir könnten uns durch diese Eigenleistung eventuell eine höherwertige Arbeitsplatte kaufen.
Hierzu habe ich leider im Internet nur sehr widersprüchliche Aussagen gelesen und wäre daher über die Nennung entsprechender Gesetzesstellen dankbar.

Vielen Dank noch einmal im Voraus!
Anna

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